Freude an der Arbeit – Wie bekommen wir sie zurück?

Ich kenne sie zwar noch, die Menschen, die ihre Arbeit lieben und ihr noch mit viel Engagement und Leidenschaft nachgehen. Aktuell sehe ich um mich herum jedoch zunehmend Menschen, die durch ihre Arbeit enorm belastet sind, die gar krank werden oder einfach nicht mehr gerne zur Arbeit geben. Ja, Menschen, die nicht gerne zur Arbeit gehen, gab es immer und wird es vielleicht immer geben. Nicht jede*r sucht sein*ihr Glück in der Arbeit. Nur sind es zunehmend Menschen, die ihre Arbeit mit intrinsischer Motivation ausgewählt haben und angegangen sind, die ihre Freude an ihrer Arbeit verlieren.

Ich kenne sie zwar noch, die Menschen, die ihre Arbeit lieben und ihr noch mit viel Engagement und Leidenschaft nachgehen. Aktuell sehe ich um mich herum jedoch zunehmend Menschen, die durch ihre Arbeit enorm belastet sind, die gar krank werden oder einfach nicht mehr gerne zur Arbeit geben. Ja, Menschen, die nicht gerne zur Arbeit gehen, gab es immer und wird es vielleicht immer geben. Nicht jede*r sucht sein*ihr Glück in der Arbeit. Nur sind es zunehmend Menschen, die ihre Arbeit mit intrinsischer Motivation ausgewählt haben und angegangen sind, die ihre Freude an ihrer Arbeit verlieren.

Ich habe vor ein paar Jahren mal ein Zitat von Stan Lee (US-amerikanischer Comicautor und -redakteur, Schauspieler und Filmproduzent) gelesen: „Wenn Du mit Leuten arbeitest, die Du respektierst und die Du magst und bewunderst, weil sie so gut sind, in dem was sie tun, fühlt es sich nicht wie Arbeit an. Es ist als würdest Du spielen.“

Haben Sie das bereits erlebt? Erleben Sie das heute noch?

Ich hatte in der Vergangenheit viele solche Situationen – und zum Glück habe ich sie heute noch. Doch sie sind seltener geworden. Sie sind jedoch der Grund, warum ich meine Arbeit liebe. Deshalb will ich so viele solcher Situationen in meinem Arbeitsalltag haben wie irgend möglich.

Im Zitat oben sind auch die Voraussetzungen enthalten, die zu solchen Situationen führen: Respekt, Sympathie und Expertise. Zusammengefasst: Vertrauen ineinander.

Zusammenarbeiten bedeutet, gemeinsam an einer Sache zu arbeiten bzw. auf ein bestimmtes Ziel hin gemeinsam zu wirken. Voraussetzung, dies erfolgreich zu tun, ist wechselseitiges Vertrauen ineinander, dass alle an der Zusammenarbeit Beteiligten ihren Beitrag leisten (können und wollen). Bewundere ich andere dafür, dass sie das, was sie tun, gut machen, ist das ein starker Ausdruck dieses Vertrauens.

Mir selbst fällt immer wieder auf, dass ich insbesondere gerne mit Menschen zusammenarbeite, von denen ich viel lernen kann und die meine Expertise wahr- und ernstnehmen. Gerade in dieser Wechselseitigkeit sehe ich die Basis für eine fruchtbare, etwas Neues hervorbringende Zusammenarbeit. Ich liebe Gespräche und Arbeitsmeetings, in denen man sich wechselseitig ergänzt und im Verbinden der Beiträge mehr entsteht als die reine Summe der Beiträge ergeben hätte.

Neu-deutsch heißt das Co-Creation.

In einer komplexer werdenden Arbeitswelt wird das Zusammenführen und Verbinden individueller Beiträge immer wichtiger, immer erfolgsentscheidender. Arbeitsgebiete und Expertisen greifen immer mehr ineinander und bedingen sich wechselseitig. Das macht das Zusammenführen notwendiger. Allerdings ist das Zusammenführen auch alles andere als trivial.

Erfolgreiches Zusammenführen gelingt nur, wenn ausreichend Offenheit für die Beiträge der anderen Beteiligten da ist, wenn man sich wechselseitig wirklich zuhört und versucht sich zu verstehen. Es geht nicht darum, die Expertise des anderen zu erwerben. Ein einzelner Mensch kann nicht alle Expertise besitzen, die es zur Bearbeitung komplexer Probleme braucht. In der Pandemie haben wir gesehen, dass Entscheidungen sich vielfältig in unterschiedlichen Lebensbereichen und auf unterschiedliche Aspekte des individuellen Wohlbefindens auswirken. Expert*innen aus unterschiedlichen Disziplinen waren notwendig, um diese Auswirkungen abschätzen zu können. Auf dieser Basis haben wir uns an den Umgang mit der Pandemie herangetastet.

Vertrauen ineinander ist also noch aus einem anderen Grund wichtig: Für komplexe Probleme lassen sich keine perfekten Lösungen am Diskussionstisch entwerfen. Vielmehr braucht es eine Offenheit sich gemeinsam auf den Weg zur Lösung des Problems zu machen und auf diesem Weg gemeinsam zu lernen. In einem solchen Problemlösungsprozess wäre es kontraproduktiv, wenn einzelne Beteiligte für mangelnde Erfolge oder Fehler verantwortlich gemacht werden. Es braucht den Respekt davor, dass jede*r zu einem bestimmten Zeitpunkt nach bestem Wissen, Gewissen und Kenntnisstand gehandelt hat (oberste Direktive in agilen Retrospektiven). Es geht darum, sein gemeinsames Wissen und den gemeinsamen Kenntnisstand sukzessive im Prozess zu erweitern, kurz: dazuzulernen.

Hier sind wir auch bei einem anderen Aspekt des Zitats: „als würdest Du spielen“. Im Spielen geht es vielmehr um das Tun an sich, das Ausprobieren. Nehmen wir das Bauen mit Bausteinen: Kinder probieren sich aus. Sie probieren aus, wie hoch sie mit ihren Bausteinen bauen können und welche Techniken des Bauens ihnen dabei helfen. Der Turm stürzt auch mal ein. Dann versuchen sie eine andere Technik. Bis sie den Turm schließlich bis zur Decke gebaut haben.

Wann verlieren wir diese Lust, spielerisch ein ambitioniertes Ziel gemeinsam zu erreichen?

Damit komme ich zurück zum Ausgangspunkt meines Beitrags: Der Verlust der Freude an der Arbeit. Mein Eindruck ist, dass Menschen vor allem dann die Freude an ihrer Arbeit verlieren, wenn das Zusammenspiel mit Arbeitskolleg*innen nicht mehr wirkungsvoll und ergebnisorientiert ist. Stimmt das Zusammenspiel nicht mehr, kann heutzutage niemand mehr zufriedenstellend arbeiten – eben wegen der bereits erwähnten Zunahme an Komplexität, die wir nur gemeinsam bewältigen. Kann man nicht mehr zufriedenstellend zusammenarbeiten, lohnt sich das individuelle Engagement nicht mehr in der gleichen Weise.

Ob die Ursache dafür nun im mangelnden Vertrauen ineinander zu suchen ist, in einer Überforderung durch die zunehmende Komplexität oder wo anders, ist für die Lösung aus meiner Sicht unwichtig. Entscheidender ist aus meiner Sicht, wie wir Arbeit wieder so gestalten, dass sie sich wie spielen anfühlt. Wie wir Arbeit so gestalten, dass wir wechselseitiges Vertrauen ineinander und vor allem in die Expertise des Gegenübers entwickeln. Wie wir Arbeit so gestalten, dass wir wirkungsvoll zusammenarbeiten.

Die Lösung liegt für mich in einer Fokusverschiebung hin zur Gestaltung des Zusammenspiels: Wie, wo und wann begegnen wir uns wozu? Wie ist die Begegnung gestaltet? Bekommen alle den Raum, ihre relevante Expertise einzubringen? Nehmen wir uns ausreichend Zeit, uns zu verstehen und ein gemeinsames Verständnis des Ziels bzw. des Problems zu entwickeln, das wir gemeinsam angehen wollen? Nutzen wir Methoden zur Zusammenführung der Expertisen und Lösungsansätze, die Raum dafür lassen, dass das Verbinden der Beiträge am Ende mehr als die Summe der Beiträge ist?

Kurz: Steht im Fokus, dass wir unsere gemeinsamen Ziele erreichen bzw. unsere Herausforderungen gemeinsam bewältigen? Misst sich das Ergebnis also am Ende am Erfolg? Wenn es uns gelingt, dass das Ergebnis, also der Erfolg, im Mittelpunkt steht und wir begreifen, dass es dafür ein gelungenes Zusammenspiel aller Beteiligten braucht, werden wir (Zusammen-)Arbeit wieder so gestalten, dass sie uns Freude bereitet – dass sie sich gar am Ende wie Spielen anfühlt.

Katrin Wodzicki

Momentan leitet sie den Bereich Personal- und Organisationsentwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie studierte Psychologie an der Universität Jena und promovierte an der Universität Zürich. Anschließend forschte sie zu psychologischen und motivationalen Aspekten der computer-vermittelten Kommunikation und Kooperation am Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über Führung, Teaminteraktion und Arbeitsorganisation.

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