Wissen, wer was weiß und tut | Ein Interview mit Sarah Durante

Für die Vorbereitung unserer Knowledge Jam@i-Know 2011 interviewte ich Sarah Durante, Kundenberaterin und Projektleiterin bei der vitero GmbH. Als Business-Coach berichtet sie, dass viele Probleme im beruflichen Kontext mit der fehlenden oder mangelhaften Weitergabe von Informationen bzw. Wissen zusammenhängen. Wieder einmal wird deutlich, dass Tools die Kommunikation zwischen MitarbeiterInnen nicht ersetzen, sondern lediglich unterstützen.

Was bedeutet für Sie erfolgreiches organisationales Wissensmanagement?

Als Kundenberaterin und Projektleiterin bei der vitero GmbH bedeutet für mich ein erfolgreiches Wissensmanagement, wenn Mitarbeiter eines Unternehmens informationstechnisch sehr gut vernetzt sind. So sollten Mitarbeiter die Möglichkeit haben, neben asynchronen Datenbanksystemen oder Plattformen, Informationen auch synchron über Kommunikationstechnologien wie Webconferencing Systeme, Virtual Classroom Lösungen bzw.  Live E-Learning Tools jederzeit auszutauschen. Der Einsatz dieser Technologien fördert eine gemeinsame Wissensbasis im Unternehmen und über das Unternehmen hinaus, in dem ergänzend zu der verbalen Kommunikation, meist über Voice-over-IP (VoIP), Wissen mittels Application Sharing zwischen den Nutzern ausgetauscht werden kann. Entscheidungsprozesse können zudem durch spezifische Moderationstools wie Punkte- oder Kartenabfragen einfacher herbeigeführt werden.

Web Conferencing sollte jedes Unternehmen nutzen, weil …

… damit viel Zeit und Geld eingespart werden kann.

Durch Online-Sitzungen entstehen keine Ausfallzeiten durch die Anfahrtszeit einzelner Mitarbeiter und auch die Anfahrts- und ggf. Übernachtungskosten fallen weg.

Web Conferencing erhöht zudem die Flexibilität: Es sind z.B. spontane Besprechungen möglich, in denen auch kurzfristig z.B. Wissensexperten zugeschaltet werden können. Damit können natürlich auch Schulungen besser an zeitliche Abläufe im Unternehmen angepasst werden.

Was motiviert oder hindert Sie daran, eigene Erfahrungen und Wissen mit Kollegen auszutauschen?

Man kann selber nicht immer alles wissen! Meine Erfahrung ist, dass man in bestimmten Situationen auf das Wissen von anderen Kollegen angewiesen ist. Netzwerke dienen zur Horizonterweiterung, man findet leichter Zugang zu dem Wissen anderer, sie stimulieren und aktivieren. Nachfragen ist viel einfacher, wenn man in einem Netzwerk bekannt ist und auch weiß, wer was weiß. Allerdings sollte in einem Netzwerk das Prinzip gelten: Geben und Nehmen. Dann ist meines Erachtens jede bzw. jeder ein Gewinner!

Wenn Sie jeden Tag genau 7 Minuten für Wissensmanagement hätten: Wie würden Sie die nutzen?

Da es sehr viele Missverständnisse und Irrtümer in der täglichen Kommunikation unter Kollegen geben kann oder häufig auch nicht klar ist, wer was gerade macht, würde ich die Zeit nutzen, jeden Tag eine kurze Online-Teamsitzung einzuberufen, in der jeder über eine Art virtuelle Pinnwand seine aktuellen Themen im Vorfeld posten kann und dann in der Sitzung mit einem Satz kommentiert. Damit würde sichergestellt werden, dass man einen Überblick des aktuellen Geschehens bekommt und auch über andere Bereiche der Kollegen zumindest in Form eines Art „Live Tickers“ informiert wird.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten 3 „hot topics“ der nächsten Jahre?

Ich denke, dass alternative Kommunikationsmöglichkeiten weiterhin den Markt bestimmen werden. In den nächsten Jahren rechne ich mit einer weiteren Zunahme der mobilen Endgeräte und damit einer Zunahme des „mobilen“ Wissensmanagements. Der Einsatz dieser Technologien wird die Art und Weise, wie Menschen miteinander kommunizieren und Wissen austauschen, weiter verändern. Dies wird eine Anpassung sowohl der organisationalen Kommunikationsprozesse als auch der Kommunikationstechnologien als solche erforderlich machen.

Als dritten „hot topic“ sehe ich den Ausbau der Sozialen Netzwerke. Den Sozialen Netzwerken wie Facebook, Xing, MySpace etc. wird hinsichtlich des Wissensmanagements sicherlich eine immer größere Bedeutung zukommen.

Darüber hinaus gehe ich davon aus, dass die Technikaffinität immer mehr die Soziale Kompetenz jedes einzelnen beeinflussen wird. Der Umgang und die Aufgeschlossenheit mit neuen Medien wird die Interaktion mit Mitmenschen unterstützen.

sarah_duranteDiplom-Psychologin Sarah Durante ist als Kundenberaterin und Projektleiterin bei der vitero GmbH u.a. für die Durchführungvon Online-Schulungen sowie Online-Moderationen zuständig. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind: E-Learning, Blended Learning und Webconferencing, d.h. der synchrone Wissensaustausch. Daneben arbeitet sie als Business-Coach.

Katrin Wodzicki

Momentan leitet sie den Bereich Personalentwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie studierte Psychologie an der Universität Jena und promovierte an der Universität Zürich. Anschließend forschte sie zu psychologischen und motivationalen Aspekten der computer-vermittelten Kommunikation und Kooperation am Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über Social Media, Teaminteraktion und Arbeitsorganisation.

Vollständiges Profil anzeigen.

Katrin Wodzicki

Momentan leitet sie den Bereich Personalentwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie studierte Psychologie an der Universität Jena und promovierte an der Universität Zürich. Anschließend forschte sie zu psychologischen und motivationalen Aspekten der computer-vermittelten Kommunikation und Kooperation am Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über Social Media, Teaminteraktion und Arbeitsorganisation.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.