Web 2.0, Web 3.0, Web X.0?

Web 2.0 – Buzzword oder Fachbegriff? Dieser Blitz definiert, was mit Web 2.0 gemeint ist, und beschreibt Auswirkungen auf Arbeiten und Lernen.

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Web 2.0, Web 3.0, Web X.0?

Web 2.0 – Buzzword oder Fachbegriff? Dieser Blitz definiert, was mit Web 2.0 gemeint ist, und beschreibt Auswirkungen auf Arbeiten und Lernen.


What is Web 2.0?

Tim O’Reilly hat den Begriff Web 2.0 mit dem Artikel „What is Web 2.0?“ im September 2005 geprägt. Er beschreibt mit Web 2.0 technologische Veränderungen, die auch zu veränderten Geschäftsmodellen führen. Die veränderte Nutzung des Internets lässt sich an folgenden Entwicklungen festmachen:

  • Das Web 2.0 ist ein „Mitmach-Web“. Einfache Werkzeuge zum Erstellen und Hochladen von Webseiten, Fotos und Filmen führen zu großen Mengen an Daten. Die Nutzer werden zum Produzenten von nutzergenerierten Inhalten.
  • Das Web 2.0 ist eine Plattform. Es löst den Personal Computer als zentralen Speicherplatz von Daten ab. Software wird im Netz bereitgestellt und über den Browser verwendet (z.B. google.docs).
  • Das Web 2.0 ist „perpetual beta“. Anwendungen und Angebote im Web werden unter Einbindung der Nutzer ständig weiterentwickelt und verbessert.
  • Das Web 2.0 ist anwendungs- und plattformübergreifend. Inhalte werden zwischen einzelnen Anwendungen ausgetauscht (z.B. Einbindung von google.maps auf externen Webseiten) und von unterschiedlichen Geräten aus zugänglich gemacht (Computer, Handy, Fernseher).

Möglich werden diese Veränderungen durch eine Reihe von technischen Innovationen wie RSS, um Inhalte in einem standardisierten Format bereit zu stellen, oder AJAX, um den effizienten Datenaustausch zwischen Webbrowser und Server zu ermöglich.

Wie verändert sich Arbeiten und Lernen?

Als Prototyp des Web 2.0 kann die Online-Enzyklopädie Wikipedia bezeichnet werden. Sie besteht seit 2001 und hat allein in der deutsprachigen Version bereits über 1,2 Millionen Artikel. Tausende Nutzer tragen hier ihr Wissen zusammen, mit dem Ziel eine frei zugängliche Enzyklopädie zu erstellen. Möglich macht das die Technologie Wiki. Hier kann jeder Nutzer die Inhalte einer Webseite einfach im Browser verändern, Links setzen und so zur gemeinsamen Weiterentwicklung von Wissen beitragen.

Auch in Unternehmen werden Web 2.0 Werkzeuge und Social Software zur Förderung von Kommunikation und Wissensmanagement eingesetzt, oft bezeichnet als Enterprise 2.0. Dabei geht es nicht nur um den technischen Aspekt, also z.B. den Einsatz eines Wikis als Werkzeug zur Projektkoordination. Vielmehr ist auch die veränderte Unternehmenskultur gemeint – analog zu den Entwicklungen des Web 2.0. Statt einer hierarchischen Organisationsstruktur wird der teamorientierte Wissensaustausch und die Integration der Mitarbeitenden in Entscheidungsprozesse zum gemeinsamen Ziel. Organisationales Lernen muss sich dann an den konkreten Anforderungen einer Aufgabe oder eines Problems orientieren. Es verlangt den offenen und eigeninitiativen Austausch mit anderen, aber auch über Unternehmensgrenzen hinweg. Die Idee Web 2.0 bietet die Chance, gemeinsam neues Wissen zu entwickeln und zu nutzen.

Buzzword – oder was kommt danach?

Der Begriff Web 2.0 wird oft als Buzzword kritisiert, als ein Modewort also, das unpräzise aber beliebt ist. Ein Kritikpunk bezieht sich darauf, dass sich die suggerierte Trennung zwischen dem ‚Vorgänger‘ Web 1.0 und dem Web 2.0 nicht klar ziehen lässt. So gab es auch im Web 1.0 bereits interaktive Anwendungen (z.B. das Usenet) und auch frühe Browser waren zunächst gleichzeitig als Browser und Editor konzipiert. Alternative Begriffe für das Web 2.0 werden deshalb teilweise synonym verwendet. Der Begriff Social Web fokussiert stärker auf die soziale Interaktion der Nutzer untereinander und die gemeinsame Entwicklung von Inhalten.

Der Begriff Social Software macht diesen sozialen Aspekt an den entsprechenden Anwendungen fest. Und was kommt danach? Die Versionsnummer 3.0 wird für die Idee verwendet, Informationen im Web semantisch anzureichen, und dafür die Nutzer einzubinden.

Web 3.0 – Das soziale, semantische Web

Das Semantic MediaWiki setzt die Idee des semantischen Web um, indem die einzelnen Wiki-Seiten mit zusätzlichen semantischen Informationen erweitert werden können. So können Links auf andere Seiten mit Relationen versehen werden (z.B. „Hauptstadt von“ oder „Oberbegriff zu“) oder die Seiten mit zusätzlichen Attributen versehen werden („Fussball“).

Das semantische Web beschreibt die Idee, Daten so zu strukturieren und aufzubreiten, dass deren Bedeutung von Computern verarbeitet werden kann. Dazu müssen Informationen mit Metadaten annotiert werden, so dass die Bedeutung der Information mit gespeichert wird. Damit können bedeutungshaltige Beziehungen zwischen Informationen auch von Computern erkannt werden. Diese semantische Anreicherung und Verknüpfung von Informationen ermöglicht also die automatisierte Verknüpfung von Informationen, und erleichtert das Durchsuchen großer Informationsmengen. Die Verbindung des semantischen Web mit der Idee eines nutzergenerierten Web 2.0 wird oft als Web 3.0 bezeichnet. Die Nutzer spielen dabei, z.B. über Social Tagging, also das gemeinsame Verschlagworten von Inhalten, eine zentrale Rolle für die Anreicherung von Inhalten mit zusätzlicher Bedeutung. Sie übernehmen das nutzergenerierte annotieren von Informationen.

 

 

Zitieren als: Moskaliuk, J. (2011). Web 2.0, Web 3.0, Web X.0? wissens.blitz (21). http://www.wissensdialoge.de/web20_buzzword_fachbegriff

Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien und als Hochschullehrer an der International School of Management. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist digitales Lernen und Arbeiten. Außerdem ist er Geschäftsführer der ich.raum GmbH und arbeitet als Business-Coach mit einem Schwerpunkt auf wertorientierter Führung und Kommunikation.

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Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien und als Hochschullehrer an der International School of Management. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist digitales Lernen und Arbeiten. Außerdem ist er Geschäftsführer der ich.raum GmbH und arbeitet als Business-Coach mit einem Schwerpunkt auf wertorientierter Führung und Kommunikation.

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