Der Aufbau von Veränderungsfähigkeit: Vergessen Sie die Fachkräfte nicht!

Fachkräfte, die Veränderungsprozesse in Organisationen vorantreiben und umsetzen müssen, werden häufig nicht ausreichend darauf vorbereitet. Dieser Blitz beschreibt Herausforderungen für Fachkräfte in Veränderungsprozessen, sowie Maßnahmen um Veränderungsfähigkeit aufzubauen.

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Fachkräfte als Schlüsselpersonen im Veränderungsprozess

Mittlerweile gibt es ein großes Angebot an Weiterbildungen, die Entscheidungsträger in Organisationen auf den Umgang mit Veränderungen vorbereiten sollen (Stichwort „Change Management“). Allerdings richtet sich dieses Angebot hauptsächlich an das Top-Management und Fachkräfte, die den Wandel inhaltlich vorantreiben müssen, werden häufig nicht als zentrale Zielgruppe für derartige Weiterbildungsmaßnahmen betrachtet. Dabei sitzen Fachkräfte häufig an Schlüsselstellen in Veränderungsprozessen und sind mit großen Herausforderungen konfrontiert:  z.B.  stößt die Leiterin der Informatik-Abteilung einer Organisation bei der globalen Umstellung auf eine neue Software auf Widerstand seitens der Belegschaft. Oder der Oberarzt, der versucht bei der Zusammenlegung von zwei Abteilungen im Krankenhaus zu vermitteln, wird von den eigenen Mitarbeitenden plötzlich als „Verräter“ betrachtet.

Der Umgang mit Veränderungen erfordert Fähigkeiten abseits der „normalen“ Rolle

Organisationen müssen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass viele Personen, die aufgrund ihrer fachlichen Qualifikation als Schlüsselpersonen für Veränderungsprozesse ausgewählt wurden „Veränderungs-Novizen“ sind. Diesen Personen fehlt es häufig am zusätzlich erforderlichen Wissen, den Fähigkeiten und der Erfahrung, um Veränderungen erfolgreich umzusetzen.

Das Bewältigen von Veränderungsprozessen erfordert Fähigkeiten, die über die „normalen“, d.h. im Arbeitsalltag erforderlichen operativen Kompetenzen (z.B. IT-Infrastrukturen aufsetzen, Patienten behandeln) hinaus gehen. Dazu zählen (a) diagnostische Fähigkeiten, z.B. um Probleme und deren Ursachen im Veränderungsprozess zu erkennen, (b) „politische“ und kommunikative Fähigkeiten, um unterschiedliche Bedürfnisse und Interessen zu verhandeln und (c) emotionale Fähigkeiten und psycho-soziale Resilienz (Widerstandsfähigkeit), um mit dem sozialen Druck und den teilweise negativen Emotionen während der Veränderung umgehen zu können.

Veränderungsfähigkeit bei Veränderungs-Novizen aufbauen

Um eine Organisation veränderungsfähig zu machen, sollten Mitarbeitende auf breiter Basis auf den Umgang mit Veränderungen vorbereitet werden. Dies sollte Teil einer gezielten HR-Strategie sein.

Formale Trainings können ein erster Ansatzpunkt sein, um bei Veränderungs-Novizen Fähigkeiten im Umgang mit Veränderungen aufzubauen. Beispielsweise können solche Trainings dazu beitragen, diagnostische Fähigkeiten oder Kommunikationsfähigkeiten zu entwickeln. Allerdings stellen Veränderungsprozesse Fachkräfte vor viele Herausforderungen, auf die man sich im „Trockentraining“ nur bedingt vorbereiten kann (siehe Kasten):

Fazit

Die größten Herausforderungen entstehen für Veränderungs-Novizen erst in der konkreten Veränderungssituation. Daher können Fähigkeiten im Umgang mit diesen Herausforderungen auch nur in konkreten Veränderungssituationen entwickelt werden. Trainingsansätze, die auf erfahrungsbasiertem Lernen beruhen, sind am zielführendsten. Die Effektivität solcher Maßnahmen kann durch Mentoring von erfahreneren „Change Managern“ sowie durch Supervision und Coaching noch verstärkt werden.

Literaturnachweis: Doyle, M. (2002). From change novice to change expert. Personnel Review, 31 (4), 465-481.

Zitieren als: Kump, B. (2015). Der Aufbau von Veränderungsfähigkeit: Vergessen Sie die Fachkräfte nicht! wissens.blitz (154). http://www.wissensdialoge.de/veränderungsnovizen

Barbara Kump

Barbara Kump ist Professorin für Organisationsentwicklung an der Fachhochschule Wien, Assistant Professor am Institut für KMU-Management an der WU Wien, Expertin für Veränderungsprozesse, sowie ausgebildete Supervisorin und Business-Coach. Als promovierte Organisations- und Kognitionspsychologin publiziert sie regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Branchenmagazinen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie vor allem über die Themen organisationales Lernen, Organisationsentwicklung, sowie Wissensprozesse in Zusammenhang mit Veränderung.

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Barbara Kump

Barbara Kump ist Professorin für Organisationsentwicklung an der Fachhochschule Wien, Assistant Professor am Institut für KMU-Management an der WU Wien, Expertin für Veränderungsprozesse, sowie ausgebildete Supervisorin und Business-Coach. Als promovierte Organisations- und Kognitionspsychologin publiziert sie regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Branchenmagazinen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie vor allem über die Themen organisationales Lernen, Organisationsentwicklung, sowie Wissensprozesse in Zusammenhang mit Veränderung.