Wissensmanagement mit Wikis: Motivation

Wikis sind effektive und schnelle Werkzeuge für organisationales Wissensmanagement. Dieser .blitz fasst drei motivationale Erfolgsfaktoren für den Einsatz von Wikis im Wissensmanagement zusammen: Selbstbestimmung, thematisches Interesse und Spaß.

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Wissensmanagement mit Wikis | Motivation

Wikis sind effektive und schnelle Werkzeuge für organisationales Wissensmanagement. Dieser .blitz fasst drei motivationale Erfolgsfaktoren für den Einsatz von Wikis im Wissensmanagement zusammen: Selbstbestimmung, thematisches Interesse und Spaß.

Das Wiki fördert Selbstbestimmung

Menschen möchten selbstbestimmt handeln und sich persönlich weiterzuentwickeln. Diese intrinsische Motivation von „innen heraus“ etwas Bestimmtes zu tun, beruht auf drei Grundbedürfnissen: Dem Bedürfnis nach Selbstbestimmung, dem Bedürfnis nach Kompetenz und dem Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit (Deci und Ryan, 1993). MitarbeiterInnen sind motiviert, sich an einem Wiki zu beteiligen,

  • wenn sie selbst bestimmen können, welche Änderungen sie in welchem Umfang wann vornehmen möchten.
  • wenn sie sich selbst als kompetent wahrnehmen und an Bereichen eines Wikis mitarbeiten, in denen sie sich gut auskennen und sie ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können.
  • wenn sie Rückmeldung erhalten, sich eingebunden fühlen und durch das Gefühl konstruktiv zusammenzuarbeiten ein Gefühl der Zugehörigkeit zur Wiki-Community entsteht.

Die Inhalte des Wikis sind interessant

Die Motivation, sich an einem Wiki zu beteiligen, hängt auch ab von den Inhalten des Wikis: Wer sich für ein Thema interessiert, wird sich intensiver mit dem Thema beschäftigen. Inhalte, die eine persönliche Relevanz habe, werden genauer gelesen, tiefer verarbeitet und eher verbessert und ergänzt. MitarbeiterInnen sind motiviert, sich an einem Wiki zu beteiligen,

  • wenn das Wiki offen für Themen ist, die für den einzelnen von Interesse sind.
  • wenn Inhalte für die Arbeitsaufgabe relevant und die eigene Arbeit erleichtern.

Die Beteiligung am Wiki macht Spaß

Das Erleben von Flow ist ein weiterer Aspekt der Motivation. Wer einen Zustand des Flow erlebt, geht völlig in seiner Tätigkeit auf und vergisst alles um sich herum. Dann passen die Anforderungen einer Aufgabe genau zu den eigenen Fähigkeiten, es kommt weder zu einer Über- noch zu einer Unterforderung. Die Aufgabe wird nicht als anstrengend oder belastend erlebt, sondern als interessant und befriedigend. MitarbeiterInnen sind motiviert, sich an einem Wiki zu beteiligen,

  • wenn die Beteiligung Spaß macht.

Was ist ein Wiki?

Wikis sind mit einander verlinkte Webseiten, die von den Nutzern nicht nur gelesen, sondern auch verändert werden können. Dazu ist in der Regel keine zusätzliche Software notwendig: Die Nutzerin oder der Nutzer klickt auf einen „Bearbeiten“-Link und kann dann vorhandenen Text ändern oder löschen, und neuen Text ergänzen. Es gibt unterschiedliche Wiki-Software, die in bestehende Wissensmanagementsysteme integriert werden, oder als zusätzliche Anwendungen installiert werden. Sie werden z.B. zur Projektdokumentation, für das gemeinsame Erstellen von Berichten oder Protokollen oder zum Sammeln von Fragen und Antworten verwendet.

Die Realität in Organisationen

Anders als bei offenen Wikis in Internet, wie z.B. der Wikipedia unterliegt ein geschlossenes Wiki in einer Organisation anderen Regeln und Vorgaben. Nicht immer werden also Selbststimmung, Interesse und Spaß an erster Stelle stehen können. Wer das Spannungsverhältnis zwischen intrinsischer Motivation und Anforderungen von außen kennt, kann aber beim Einsatz von Wikis in Unternehmen zentrale Stolpersteine identifizieren:

  • Müssen detaillierte Workflows für die Bearbeitung des Wikis erstellt werden?
  • Müssen Beiträge vor der Veröffentlichung im internen Wiki freigegen werden?
  • Ist ein restriktives Rechtemanagement notwendig?
  • Müssen inhaltliche Vorgaben oder Eingrenzungen vorgenommen werden?
  • Können MitarbeiterInnen neue, für sie relevante Themen anlegen?
  • Können MitarbeiterInnen entscheiden, wo sie sich beteiligen?
  • Darf das Wiki auch zur Organisation des Betriebssports eingesetzt werden?

Darüber hinaus gibt es weitere Faktoren für den Erfolg von Wikis im Wissensmanagement. Neben technischen Aspekten sind sozialpsychologische Stolpersteine zu bedenken. Mehr dazu im einem nächsten .blitz.

Literaturnachweis:
Moskaliuk, J., & Kimmerle, J. (2009). Using wikis for organizational learning: Functional and psycho-social principles. Development and Learning in Organizations., 23 (4), 21-24.
Deci, E.L. & Ryan, R.M. (1993). Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik. Zeitschrift für Pädagogik, 39, 223-238.

Zitieren als: Moskaliuk, J. (2012). Wissensmanagement mit Wikis: Motivation. wissens.blitz (56). http://www.wissensdialoge.de/wissensmanagement_wikis

Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien und als Hochschullehrer an der International School of Management. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist digitales Lernen und Arbeiten. Außerdem ist er Geschäftsführer der ich.raum GmbH und arbeitet als Business-Coach mit einem Schwerpunkt auf wertorientierter Führung und Kommunikation.

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Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien und als Hochschullehrer an der International School of Management. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist digitales Lernen und Arbeiten. Außerdem ist er Geschäftsführer der ich.raum GmbH und arbeitet als Business-Coach mit einem Schwerpunkt auf wertorientierter Führung und Kommunikation.

2 Gedanken zu „Wissensmanagement mit Wikis: Motivation

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