Handlungswissen

Was ist Handlungswissen und wie entsteht Handlungswissen?

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Prozedurales und Deklaratives Wissen = Handeln

Der Begriff Handlungswissen beschreibt, was jemand wissen muss, um eine Aufgabe zu lösen und sich in einer Situation kompetent zu verhalten. Es geht um Wissen über Prozeduren, Strategien oder Wege, die ein gegebenes Problem lösen. Dafür ist zunächst prozedurales Wissen notwendig. Formal lässt sich dies als eine Beziehung zwischen bestimmten Bedingungen und dem daraus  resultierenden Handeln beschreiben. Zwei Beispiele verdeutlichen diese Beziehung:
  • Ein Kundenberater merkt am zögerlichen Verhalten des Kunden (Bedingung), dass das angebotene Produkt zu teuer ist und schlägt eine preiswertere Alternative vor (Handeln).
  • Veränderungen im Geräusch einer Fertigungsmaschine (Bedingung) führen dazu, dass die überwachende Mitarbeiterin die Betriebstemperatur anpasst (Handeln).
Gleichzeitig ist für kompetentes Handeln aber auch deklaratives Wissen notwendig. Damit ist Wissen über Daten und Fakten gemeint. In den Beispielen sind dies die Eigenschaften eines Produktes beziehungsweise der
 Zusammenhang zwischen Betriebstemperatur und Ausfallsicherheit einer Maschine. Handlungswissen ist die Kombination aus prozeduralem und deklarativem Wissen, das notwendig ist, um eine Aufgabe oder ein Problem zu lösen. Handlungswissen wird also sichtbar im kompetenten Handeln des Wissensträgers. Es ist Grundlage kompetenten Handelns. Was zählt, ist nicht das Wissen, sondern das daraus resultierende Handeln. Handlungswissen
bezieht sich immer auf spezifische Situationen (1), entsteht durch Erfahrungen (2), und kann als Stilles Wissen bezeichnet werden (3). Diese drei Aspekte werden im Folgenden näher erläutert.

(1) Handlungswissen ist situationsspezifisch

Handlungswissen ist an die spezifische Situation gebunden, in der es benötigt wird. So fällt es dem Kuddenberater im Beispiel schwer, zu erklären, woran er das zögerliche Verhalten des Kunden bemerkt. Und: Er wird auf zögerliches Verhalten anders reagieren als auf interessiertes Nachfragen. Sein Handlungswissen wird in der Situation abgerufen, in der es benötigt wird. Situationsspezifische Hinweisreize, also zum Beispiel die Aussagedes Kunden „Ziemlich teuer“, aktiviert verknüpftes Handlungswissen und führt zum Handeln.

(2) Handlungswissen basiert auf Erfahrungen

Handlungswissen lässt sich nicht einfach weitergeben. Es entsteht während wir eigene Erfahrungen machen und aktiv handeln. Das Beispiel macht das deutlich: Es ist jahrelange Erfahrung notwendig, um Veränderungen im Geräusch der Fertigungsmaschine zu erkennen und daraus auf mögliche Fehler zu schließen. Aufgrund der Arbeit mit und an der Fertigungsmaschine verfügt die Mitarbeiterin in unserem Beispiel über eine breite Wissensgrundlage um in ähnlichen Situationen kompetent zu handeln.

(3) Handlungswissen ist Stilles Wissen

Handlungswissen ist nicht unbedingt bewusst zugänglich. Es fällt den Handelnden meist schwer zu beschreiben, welche Merkmale einer Situation zu einer bestimmten Handlung geführt haben. So hat der erfahrene Kundenberater Schwierigkeiten zu erklären, woran genau er erkannt hat, dass der Kunde zögerlich auf das angebotene Produkt reagiert hat. Handlungswissen wird deshalb oft als Stilles Wissen (tacit knowledge) bezeichnet. Es wird intuitiv angewendet und führt zu einer kompetenten Lösung einer gestellten Aufgabe oder eines Problems.

Wie entsteht Handlungswissen?

Handlungswissen entsteht, wenn Mitarbeitende auf spezifischen Situationen
reagieren und daraus für zukünftiges Handeln lernen. Dann werden Merkmale einer Situation (z.B. das Geräusch einer Fertigungsmaschine) mit notwendigem Handeln verknüpft. Durch erfolgreiches Handeln verändert und verbessert sich gleichzeitig individuelles Handlungswissen immer weiter. Durch Beobachten anderer, die Rückmeldung anderer über eigenes Verhalten und gemeinsames Handeln kann ein Einzelner außerdem vom Handlungswissen der anderen profitieren. Notwendig sind also eigene Erfahrungen, Rückmeldung über eigenes Handeln und der direkte Austausch zwischen Mitarbeitenden auf Basis  konkreter Situationen. Bleibt die Frage, wie sich Handlungswissen managen lässt? Wie kann der Austausch von Handlungswissen zwischen Mitarbeitenden und die gemeinsame Weiterentwicklung von Handlungswissen gefördert werden?

Zitieren als: Moskaliuk, J. (2011). Handlungswissen. wissens.blitz (3). http://www.wissensdialoge.de/handlungswissen

Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien und als Hochschullehrer an der International School of Management. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist digitales Lernen und Arbeiten. Außerdem ist er Geschäftsführer der ich.raum GmbH und arbeitet als Business-Coach mit einem Schwerpunkt auf wertorientierter Führung und Kommunikation.

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Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien und als Hochschullehrer an der International School of Management. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist digitales Lernen und Arbeiten. Außerdem ist er Geschäftsführer der ich.raum GmbH und arbeitet als Business-Coach mit einem Schwerpunkt auf wertorientierter Führung und Kommunikation.

2 Gedanken zu „Handlungswissen

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