Nichtstun ist besser als mit viel Mühe nichts zu erreichen – Über den Wert des Nichtstuns

Den Spruch „Nichtstun ist besser als mit viel Mühe nichts zu erreichen“ las ich vor einiger Zeit in einem Glückskeks. Er brachte mich sehr zum Nachdenken.

Wer kennt es nicht: Das Projekt, das einfach nicht fertig wird. Die Aufgabe, die immer wieder ins Stocken gerät, weil irgendwas nicht läuft. Das Meeting, aus dem man rausgeht und sich fragt, ob es irgendwelche brauchbaren Ergebnisse erbracht hat.

Ist es vielleicht tatsächlich besser, Nichtszutun als mit viel Mühe nichts zu erreichen?

In jedem Fall finde ich die Frage wichtig, ob man seine eigenen Ressourcen sinn- und wirkungsvoll einsetzt und wie. Nachhaltigkeit ist aus ökologischen Gründen gerade in aller Munde. Ich finde, dass Nachhaltigkeit auch in unserem täglichen Handeln mehr Raum braucht. Die menschliche Energie ist auch endlich. Die Herausforderungen, die wir Menschen zu bewältigen haben, sind groß. Unsere eigene Energie sinn- und wirkungsvoller einzusetzen ist deshalb mehr als notwendig.

Doch warum sollte Nichtstun da weiterhelfen?

Die Bedeutung von Nichtstun wird völlig unterschätzt. Ich meine damit nicht nur ein Nichtarbeiten. Das ist ebenso wichtig. Erholung und Regeneration ist essentiell, um unsere Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten und physisch und psychisch gesund zu bleiben. Sport, Zeit mit der Familie und ähnliches sind ein wichtiger Ausgleich. Doch sie sind kein Nichtstun.

Echtes Nichtstun heißt zur Ruhe kommen, heißt seine Gedanken wandern zu lassen und heißt sich mit nichts zielgerichtet oder ablenkend zu beschäftigen. Für echtes Nichtstun ist Stille hilfreich oder auch die Geräusche der Natur, in Bewegung oder ohne.

Dieses Nichtstun ist deshalb so essentiell, weil es uns hilft, unsere Gedanken zu sortieren und das Erlebte zu verarbeiten. Es hilft, sich über Dinge bewusst zu werden, neue Einsichten zu bekommen und sich auf das für einen selbst Wichtige zu besinnen. Es hilft, im hektischen Arbeitsalltag wieder klarer zu sehen und Prioritäten zu setzen. Es hilft, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Es hilft, neue Perspektiven einzunehmen und neue Handlungsoptionen zu erkennen.

Und genau deshalb ist es besser, Nichtszutun als mit viel Mühe nicht zu erreichen. Denn im Nichtstun können wir erkennen, warum wir trotz viel Mühe nichts erreichen.

Ich habe das schon früher gemacht: Wenn ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sah, wenn ich das Gefühl hatte, gerade nicht die richtigen Prioritäten zu setzen, oder wenn ich mit einer Aufgabe oder einem Projekt einfach nicht voran kam, habe ich mich zurückgelehnt und versucht einen ordnenden Blick auf die Dinge zu werfen. Seit ich in der Coronazeit mehr Zeit im Wald verbracht habe, mich dann dieser Spruch zum Nachdenken gebracht hat und ich mich mit der Bedeutung des Nichtstun beschäftigt habe, glaube ich, für eine Weile wirklich Nichtszutun und dann einen ordnenden Blick auf die Dinge zu werfen ist noch produktiver. Manchmal reicht das Nichtstun schon aus, um plötzlich diesen ordnenden Blick zu haben.

Also, wenn Sie das nächste Mal das Gefühl haben, mit viel Mühe nichts zu erreichen: Versuchen Sie es – tun Sie einmal Nichts!

Katrin Wodzicki

Momentan leitet sie den Bereich Personal- und Organisationsentwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie studierte Psychologie an der Universität Jena und promovierte an der Universität Zürich. Anschließend forschte sie zu psychologischen und motivationalen Aspekten der computer-vermittelten Kommunikation und Kooperation am Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über Führung, Teaminteraktion und Arbeitsorganisation.