Lernen To Go – Podcasts als Inspirationsquelle

Podcasts sind weit mehr als nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sie sind ein wunderbares Lernformat. Ob beim Autofahren, Hausarbeit erledigen oder Joggen – Podcast hören macht Spaß und bringt vielfältige Inspiration aufs Ohr. Dieser Beitrag beleuchtet das Podcast-Format aus psychologisch-didaktischer Sicht und verrärt drei Podcast Perlen.

Podcasten ist das neue Bloggen

Podcasting ist ein bisschen wie Audioblogging. Statt also regelmäßig einen neuen Text auf einem Blog zu posten, werden im Podcast regelmäßig neue Audio-Dateien (teilweise auch Videos) veröffentlicht. Podcasts gibt es schon seit über 10 Jahren, doch erst in letzter Zeit sind die Nutzerzahlen rasant angestiegen. Mittlerweile nutzen etwa ein Drittel der Deutschen regelmäßig Podcast-Angebote. Aus meiner Sicht kam der Durchbruch mit den neuen technischen Möglichkeiten. Ich selbst zum Beispiel habe auch erst angefangen Podcasts zu hören, seit ich AirPods habe und mich kein nerviges Kopfhörerkabel mehr stört. Seitdem bin ich fast süchtig nach Podcasts.

Was genau ist ein Podcast?

Für alle, die mit dem Podcast-Format noch nicht so vertraut sind: Das Kofferwort „Podcast“ setzt sich zusammen aus „iPod“ (dem tragbaren MP3-Player) und „Broadcast“ (englisch: Rundfunk, Senden). Podcasts sind eigens produzierte Sendereihen mit regelmäßigen Episoden. Die Episoden können über entsprechende Plattformen (z.B. Apple Podcasts/iTunes, Spotify, Google Podcasts, Deezer, usw.) heruntergeladen und auf dem eigenen Smartphone (oder einem anderen Endgerät) gespeichert werden und sind somit jederzeit abrufbar. Mit einem Podcast-Abonnement geschieht dieser Download sogar automatisch.

Ein schönes Beispiel, um dies zu verdeutlichen ist das Morning Briefing von Gabor Steingart. Dieser Nachrichten-Podcast informiert jeden Morgen über das politische und wirtschaftliche Weltgeschehen. Mit dem entsprechenden kostenlosen Abonnement landet die neue Folge immer automatisch auf dem Smartphone. Perfekt für den Weg zur Arbeit.

Podcasts bringen Spaß im Alltag

Egal, ob beim Wäsche machen, Kochen, Joggen, Pendeln oder Reisen – Podcast hören macht im Alltag Spaß. Aktuelle Studien zeigen, dass das Podcast-Format vor allem von den über 30-Jährigen genutzt wird, während die Jüngeren eher das Video-Format bevorzugen. Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Lebensumstände hier eine zentrale Rolle spielen. Die Generation ab 30 Jahre ist meist beruflich und familiär stärker eingebunden, so dass seltene Pausen gerne genutzt werden.

Mit Podcasts kann man neue Themen und Aspekte kennenlernen, tiefergehende Diskussionen zu aktuellen Debatten verfolgen oder sich ganz einfach die Zeit vertreiben. Neben dem Soloformat, bei dem sich ein Sprecher zu einem Thema äußert, ist der Interview-Podcast am weitesten verbreitet. Kultur, Musik, Forschung oder Politik – es gibt eigentlich nichts, wozu sich nicht ein Podcast findet. Neulich bin ich sogar über eine Podcast-Folge über die Kommunikation unter Erdmännchen gestolpert. Immer mehr Verbreitung finden auch Podcasts zum Lernen von Fremdsprachen. Parlez-vous français?

Hören ist das neue Lernen

Mit dem Podcast-Format werden Lernprozesse optimal gefördert:

  • Selbstgesteuertes Lernen: Dadurch, dass Podcasts heruntergeladen und offline abgerufen werden können, sind Hörende in der Aufnahme der Inhalte zeitlich und räumlich unabhängig und können so ihren Lernprozess selbst organisieren. Gleichzeitig lässt sich die Rezeption durch Unterbrechen und Wiederholen flexibel an das eigene Lerntempo anpassen.
  • Lernmotivation: Personalisierte Inhalte oder erzählte Geschichten sind meist spannender als ein geschriebener Text. Mit dem gesprochenen Wort werden Emotionen vermittelt, die eine Nähe zum Sprecher aufbauen. Anders als beim Lernen mit Text fällt durch einen persönlichen Bezug das Lernen leichter.
  • Medienmix: Mit Podcasts wird der Blumenstrauß an unterschiedlichen Lernformaten noch ein wenig bunter. Ich persönlich gehe nicht davon aus, dass Podcasts irgendein anderes Format ablösen werden und alle Menschen nur noch Podcasts hören. Für mich geht um eine Ergänzung bzw. Erweiterung des Lernangebots.
  • Microlearning: Podcasts variieren stark in der Länge. Manche Themen lassen sich schließlich nicht in ein paar Minuten durchdringen. Die optimale Länge einer Podcast-Folge liegt bei ca. 20 bis 30 Minuten. Damit passen sie zu dem Trend der immer kürzeren Lern-Einheiten. Und letztlich kann jeder Hörer selbst für sich entscheiden, wie viele kleinere Häppchen sinnvoll sind.
  • Vertiefende Hinweise: In den Episoden-Shownotes wird der Inhalt einer Podcast-Episode ausführlich dokumentiert. Hier kann das Wichtigste in aller Kürze noch einmal nachgelesen werden. Darüber hinaus findet man dort z.B. Links zu externen Websites, die in der Episode angesprochen wurden.
  • Konstruktivistisches Lernen: Immer häufiger werden die Lernenden zu Podcast-Prozenten. Denn jeder kann Podcaster sein – mehr als ein Mikrofon, ein Schnittprogramm und einen Webspace, auf dem die fertige Sendung hochgeladen wird, braucht man nicht. Das fördert nicht nur die Medienkompetenz, sondern auch die Fähigkeit, selbst angeeignetes Wissen zu strukturieren, entsprechend aufzubereiten und wiederzugeben.

Meine Podcast Perlen

Aktuelle Studien belegen, dass viele Hörer durch Podcasts inspiriert werden, etwas Neues auszuprobieren, neue Fähigkeiten zu erwerben oder ein neues Hobby zu beginnen. Drei meiner Lieblings-Podcasts möchte ich hier gerne teilen:

1) On The Way To New Work

Die Macher von diesem Interview-Podcast Michael Trautmann und Christoph Magnussen sind der Meinung, dass die Frage nach dem Sinn von und die Erfüllung durch Arbeit nie wichtiger war als heute. Im on the way to New Work Podcast interviewen die beiden jede Woche Menschen, die etwas auf die Beine gestellt haben, einen eher ungewöhnlichen Lebensweg gegangen sind oder eine frische Sicht auf Organisationskonzepte und Selbstorganisation haben.

2) Ada

Der Ada Podcast widmet sich dem Thema Digitale Transformation. Wissenschaftlich fundiert und sehr informativ: Wie kann Künstliche Intelligenz beim Kampf gegen den Klimawandel helfen? Wie können Sinnesmaschinen Krankheiten im Atem erkennen? Wie funktioniert Sex mit Robotern? Wie können Roboter Senioren im Alltag unterstützen? Jede Folge erweitert den Horizont und regt zum Nachdenken an.

3) Arbeitsphilosophen – Die Zukunft der Arbeit

Im Arbeitsphilosophen Podcast interviewt Frank Eilers Unternehmer, Vordenker, Wissenschaftler und Künstler zu Themen wie Digital Leadership, Künstliche Intelligenz und New Work. Hier wird nicht nur das bedingungslose Grundeinkommen diskutiert, sondern auch die Frage, ob es HR in Zukunft überhaupt noch geben wird. Ebenfalls empfehlenswert ist der Themenschwerpunkt zu „Lernen lernen“.

Viel Spaß beim Hören und viel Inspiration

wünscht Nicole Behringer

 

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Nicole Behringer

Dr. Nicole Behringer ist bei Daimler Mobility tätig im Bereich Organizational & Leadership Culture. Sie studierte Psychologie an der Universität Jena und promovierte am Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen. In ihrer Doktorarbeit untersuchte sie motivationale Faktoren des Wissensaustauschs. Auf wissensdialoge.de schreibt sie vor allem über die Themen New Work, New Learning und Organisationsentwicklung.