Kleine Pausen tragen zum Arbeitsengagement bei

Vielleicht kennen Sie das: Sie haben eine Reihe an Aufgaben konzentriert bearbeitet und haben jetzt das Gefühl, Sie brauchen eine kurze Pause – um dem Kopf freizubekommen, plaudern Sie kurz mit Kolleg*innen im Flur, machen sich einen Kaffee oder drehen eine Runde draußen um den Häuserblock. Wie wirken solche kurzen Pausen während der Arbeit? Forschung zeigt: Diese „Mikropausen“ können zum Arbeitsengagement beitragen.

Um gesund und leistungsfähig bleiben zu können, braucht es Zeiten, in denen Mitarbeitende ihre Energiereserven („Ressourcen“) wieder auffüllen, die sie später u.a. bei der Arbeit wieder einbringen. Das findet traditionell in der Freizeit statt.

Es gibt aber auch zunehmend Forschung dazu, ob und wie Erholung auch bei der Arbeit möglich und förderlich ist. Das ist gerade in Zeiten mit vielen Überstunden oder weniger klaren Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit (z.B. im home office) eine wichtige Frage. Pausen spielen hierbei eine bedeutende Rolle. In zwei aktuellen Studien gingen die Forscher*innen um Sooyeol Kim et al. (2021) diesem Thema nach.

Mikropausen als eine Lösung?

Genauer untersuchten sie die Rolle von sogenannten „Mikropausen“. Das sind kurze, etwa 5-minütigen Pausen, die Mitarbeitende informell, freiwillig und oft spontan z.B. zwischen Aufgaben einlegen – z.B. für kurze Übungen (Stretching, ein „power nap“), für einen Snack, um mit Kolleg*innen zu plaudern oder etwas zu lesen, das nichts mit der Arbeit zu tun hat.

Das Forscherteam ging davon aus, dass Menschen besonders an den Tagen, an denen sie sich morgens müde (also schlecht erholt) fühlen, mehr Mikropausen während der Arbeit einlegen – um so ihr Energieniveau aufzufüllen und mehr Engagement im Job zeigen zu können.

Mikropausen als Strategie zu mehr Arbeitsengagement?

Sie befragten Mitarbeitende aus den USA und Südkorea über zehn bzw. fünf aufeinander folgende Arbeitstage hinweg. Die beiden Studien bestätigten ihre Annahmen:

  • Mitarbeitende legten an den Tagen mehr Mikropausen ein, an denen sie morgens müde zur Arbeit kamen.
  • Diese Mikropausen halfen ihnen wiederum, mehr Engagement bei der Arbeit zu zeigen und am Ende des Tages weniger Müdigkeit zu erleben.

Unterstützung durch die Organisation als Rahmenbedingung

Dabei spielte jedoch das Klima in der Organisation eine wichtige Rolle – d.h. ob Mitarbeitende wahrnahmen, dass ihre Gesundheit in der Organisation aktiv unterstützt wird. Die positive Wirkung von Mikropausen zeigte sich entsprechend nur dann, wenn Mitarbeitende genügend Freiraum erlebten, sich die Pausen auch zu nehmen.

Spielt die Tätigkeit in der Pause eine Rolle?

Die Ergebnisse lieferten auch unvorhergesehene Hinweise darauf, dass es womöglich auch darauf ankommt, was genau während einer Mikropause getan wird: Wenn Mitarbeitende sich in der Pause mit anderen austauschten, waren sie danach zwar engagierter bei der Arbeit, aber am Ende des Arbeitstages auch müder.

Wenn sie in der Pause eher Essen oder Trinken zu sich nahmen, waren sie nachher engagierter bei der Arbeit, aber die Pause hatte keinen Einfluss auf die Müdigkeit am Ende des Tages. Für einen selbst könnte also wichtig sein, herauszufinden, welche Tätigkeiten während einer kurzen Pause besonders guttun.

Fazit:

Eine kurze Pause von fünf Minuten kann schon viel bewirken – womöglich besonders, wenn sie zum „richtigen Zeitpunkt“ genommen wird (d.h. man sich an dem Tag schlecht erholt fühlt). Nach den Ergebnissen können Organisationen dies unterstützen, indem sie ihren Mitarbeitenden Freiräume in Bezug auf solche Mikropausen einräumen. Zusammen mit kurzen Pausen kann dies Mitarbeitende unterstützen, die eigenen Energieressourcen gut zu verwalten und sich den Tag über gut auf ihre Arbeit einzulassen.

Zum Artikel: Kim, S., Cho, S., & Park, Y. (2021, in press). Daily microbreaks in a self-regulatory resources lens: Perceived health climate as a contextual moderator via microbreak autonomy. Journal of Applied Psychology. www.doi.org/10.1037/apl0000891.


Annika Scholl

Annika Scholl forscht am Leibniz-Institut für Wissensmedien und hält Lehrveranstaltungen an der Universität Tübingen. Als Sozial- und Organisationspsychologin publiziert sie regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Branchenmagazinen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über die Themen Macht und Führung, organisationales Lernen und den Wissensaustausch in Arbeitsteams.