Wissensmanagement mit Wikis: soziale Erfolgsfaktoren.

Wikis sind effektive und schnelle Werkzeuge für organisationales Wissensmanagement. Dieser wissens.blitz fasst drei soziale Erfolgsfaktoren zusammen: Die Wahrnehmung einer Community, die Reputation der Nutzer und die  Kosten-Nutzen Relation des Wissensaustausches.

Download: wissens.blitz (72)

Damit ein Unternehmenswiki erfolgreich ist, sind sowohl die technischen Gestaltung des Wikis (siehe wissens.blitz 63) als auch motivationale Voraussetzungen bei den Nutzern relevant (siehe wissens.blitz 56). Aber auch soziale Erfolgsfaktoren lassen sich identifizieren: Gemeinsam mit den anderen Nutzer des Wikis ist jeder Einzelne Teil einer Community. Über den Erfolg eines Wikis entscheidet deshalb, ob die Kosten-Nutzen-Relation des Wissensaustausches ausgewogen ist, die Nutzer die Ziele der Community erkennen und teilen, und ob sich die Nutzer durch die Mitarbeit am Wiki eigene Reputation erwerben können.

Stimmt die Kosten-Nutzen Relation?

Die Beteiligung an einem Wiki ist für den einzelnen Nutzer mit Kosten verbunden. Es kostet Zeit und Mühe, Wissen aufzuschreiben und verständlich und nachvollziehbar aufzubereiten, damit es als hilfreiche Information weitergegeben werden kann. Zusätzlich kann die Weitergabe von Wissen mit dem Verlust von Macht einhergehen. Deshalb behalten Menschen oft Informationen gezielt für sich und bauen so einen Informationsvorsprung aus. Damit Wissensmanagement mit Wikis erfolgreich ist, muss deshalb der konkrete Nutzen für die einzelnen Nutzer, sich an einem Wiki zu beteiligen, berücksichtigt und kommuniziert werden. Wenn der Nutzen für jeden einzelnen Nutzer die individuellen Kosten aufwiegt oder übersteigt, lohnt sich die Beteiligung an einem Wiki für den Einzelnen.

Wichtigster Faktor auf Nutzenseite ist die Nützlichkeit der Inhalte für die eigene Arbeit. Eine enge Einbindung der Nutzer bei der Konzeption des Wikis stellt sicher, dass unterschiedliche Anforderungen berücksichtigt werden. Neben motivationalen Faktoren wie Interesse und Spaß (siehe wissens.blitz 56) ist auch ein gemeinsames Ziel der Community und das Fördern der eigenen Reputation ein wichtiger Faktor auf Nutzenseiten. Die Benutzerfreundlichkeit des Wikis, und die Integration der Mitarbeit am Wiki in tägliche Arbeitsabläufe kann dazu beitragen, die Kosten zu senken (siehe wissens.blitz 63).

Nehmen die Nutzer sich als Community wahr?

Die Mitarbeit an einem Wiki kann als eine soziale Tätigkeit beschrieben werden. Eine Aufgabe (z.B. das gemeinsame Erstellen einer Wissensbasis) wird gemeinsam erledigt. Dadurch entsteht eine Community von Nutzern, die ein gemeinsames Ziel hat und deren Mitglieder sich an die Community gebunden fühlen. Diese Bindung der Nutzer an eine Community und die Wertschätzung, die sie durch ihre Community-Mitgliedschaft erfahren, kann zu einer erhöhten Beteiligung der Nutzer führen. Das Entstehen einer Community kann gesteigert werden, indem die Ziele des Wikis und die Bedeutung jedes einzelnen für den Erfolg des Wikis explizit kommuniziert werden.
Auch hier gilt: Die Einbeziehung der Mitarbeitenden bei der Konzeption des Wikis unterstützt, dass das Wiki Bedürfnissen und Wünschen der Nutzer entspricht. Das Wiki wird so zu einem „gemeinsamen Projekt“ und die Bedeutung der Community wird betont.

Unterstützt die Mitarbeit die Reputation der Nutzer?

Die Mitarbeit an einem Wiki ist für die Nutzer eine Möglichkeit, sich eine Reputation aufzubauen. Mitarbeitende können so eigenes Wissen dokumentieren und sich als ExpertInnen profilieren, z.B. indem neue Artikel im Wiki anlegt werden und so neue Themen ins Spiel gebracht werden. Auch das Bearbeiten und Verbessern bestehender Artikel kann zur Steigerung der eigenen Reputation beitragen.
Dadurch wird für die Mitglieder der Community möglich, ExpertInnen und AnsprechpartnerInnen für bestimmte Probleme zu finden. Gleichzeitig erhalten die Nutzer selbst eine Rückmeldung darüber, welches Ansehen, welche Reputation sie innerhalb der Community genießen. Das Bedürfnis zur Selbstdarstellung kann für den Erfolg eines Wikis von großer Relevanz sein, wenn es dazu führt, dass Individuen ihr Wissen in eine Community einbringen.
Die Möglichkeit, sich eine eigene Reputation aufzubauen, kann mit einer eigenen Benutzerseite sinnvoll unterstützt werden. Eine solche Seite kann jeder Wiki-Nutzer für sich selbst anlegen: hier können Informationen über die eigene Person, über Erfahrungen, Projekte oder Arbeitsergebnisse dokumentiert werden. So wird jeder Einzelne innerhalb des Unternehmens mit eigenen Kompetenzen und Erfahrungen sichtbar.

Literaturnachweis: Moskaliuk, J., & Kimmerle, J. (2009). Using wikis for organizational learning: Functional and psycho-social principles. Development and Learning in Organizations, 23(4), 21-24.

Zitieren als: Moskaliuk, J. (2012). Wissensmanagement mit Wikis: soziale Erfolgsfaktoren. wissens.blitz (72). http://www.wissensdialoge.de/wissensmanagement_wikis_soziale_Faktoren

Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien und als Hochschullehrer an der International School of Management. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist digitales Lernen und Arbeiten. Außerdem ist er Geschäftsführer der ich.raum GmbH und arbeitet als Business-Coach mit einem Schwerpunkt auf wertorientierter Führung und Kommunikation.

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Johannes Moskaliuk arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien und als Hochschullehrer an der International School of Management. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist digitales Lernen und Arbeiten. Außerdem ist er Geschäftsführer der ich.raum GmbH und arbeitet als Business-Coach mit einem Schwerpunkt auf wertorientierter Führung und Kommunikation.

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