Was möchtest du zuerst hören: Die gute oder die schlechte Nachricht?

Ob im Mitarbeitergespräch, Jobinterview oder Projektmeeting: Feedback von anderen zeigt uns auf, was wir gut erledigt haben und was (noch) nicht. Aber welchen Teil davon hören wir gerne zuerst – die positive oder die negative Rückmeldung? Welche Reihenfolge ist wirksamer? Und ziehen wir eine bestimmte Reihenfolge vor, wenn wir selbst positives und negatives Feedback geben müssen?

In einer Reihe von Studien gingen Angela M. Legg and Kate Sweeny von der University of California diesen Fragen nach. Sie nahmen an, dass wir es als Empfänger von Feedback angenehmer erleben, die negative Rückmeldung (z.B. was wir nicht gut erledigt haben) gleich am Anfang hinter uns zu bringen, anstatt lange auf sie warten zu müssen. Hingegen kann es als Feedbackgeber angenehmer sein, mit den positiven Aspekten zu beginnen (z.B. den Kompetenzen des anderen) und erst im Laufe des Gesprächs auf die negativen Seiten zu sprechen zu kommen. In der Tat zog es die Mehrheit der Empfänger vor, zuerst die schlechte und danach die gute Rückmeldung zu erhalten. Hingegen bevorzugten es die Feedbackgeber eher, zuerst die gute und dann die schlechte Rückmeldung zu geben.

Empfänger und Übermittler ziehen also oft eine entgegengesetzte Reihenfolge vor: Wie lässt sich dem entgegenwirken? Die Feedbackgeber änderten ihre Präferenzen dann eher – d.h. sie gaben (1) die schlechte Rückmeldung und dann (2) die gute Rückmeldung – wenn sie die Perspektive des anderen übernahmen (Wie würde es mir gehen, wenn ich dieses Feedback erhalten würde?) bzw. sich vorher bewusst machten, dass das negative Feedback belastend erlebt werden könnte. Um Feedback besser an den Empfänger anzupassen, kann es also hilfreich sein, sich vorher in die Lage des anderen hineinzuversetzen.

Welche Reihenfolge ist denn nun aber wirksamer? Positives zuerst, Negatives zum Schluss bewirkte eine schlechtere Stimmung beim Empfänger; aber es steigerte die Bereitschaft, das eigene Verhalten zu verändern – z.B. sich in Zukunft mehr anzustrengen, denn hier wirkt die negative Nachricht noch nach. Negatives zuerst, Positives zum Schluss hingegen bewirkte eine bessere Stimmung; es weckte aber auch eher den Eindruck, nicht viel verändern zu müssen – denn so wirkt das Positive stärker nach und wir übersehen eher die Ansatzpunkte, an denen wir noch arbeiten müssen.

Fazit: Empfänger wollen in der Regel das gute Feedback zum Schluss hören. Eine Verhaltensveränderung können Sie als Feedbackgeber allerdings eher bewirken, wenn Sie das Positive anfangs und das Negative zum Schluss rückmelden. Als Feedbackempfänger können wir uns klar machen: Negatives Feedback wirkt vielleicht auch deshalb besonders negativ, weil es zum Schluss genannt wurde. Und auch bei einem sehr guten Gespräch gab es vielleicht gerade zu Beginn einige Ansatzpunkte, die wir nicht außer Acht lassen sollten und noch verbessern können.

Quelle:
Legg, A. M., & Sweeny, K. (2014). Do you want the good news or the bad news first? The nature and consequences of news order preferences. Personality and Social Psychology Bulletin, 40, 279-288. doi: 10.1177/0146167213509113
 
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Annika Scholl

Annika Scholl forscht am Leibniz-Institut für Wissensmedien und hält Lehrveranstaltungen an den Universitäten in Tübingen und Konstanz. Als Sozial- und Organisationspsychologin publiziert sie regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Branchenmagazinen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über die Themen Macht und Führung, organisationales Lernen, Reflexion als Lernprozess und den Wissenaustausch in Arbeitsteams.

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Annika Scholl

Annika Scholl forscht am Leibniz-Institut für Wissensmedien und hält Lehrveranstaltungen an den Universitäten in Tübingen und Konstanz. Als Sozial- und Organisationspsychologin publiziert sie regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Branchenmagazinen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über die Themen Macht und Führung, organisationales Lernen, Reflexion als Lernprozess und den Wissenaustausch in Arbeitsteams.

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