Was ist gutes Coaching? Drei Qualitätskriterien für Coaches

Business-Coaching meint die Beratung von Führungspersonen und Experten in Organisationen. Das Ziel ist die Weiterentwicklung der Klienten, der Fokus liegt auf berufs- und leistungsbezogenen Anliegen. Viele Unternehmen setzen deshalb Coaching als Instrument für die Personalentwicklung ein: Fach- oder Führungskräfte sollen mit Hilfe eines Business-Coaches bei Führungsaufgaben unterstützt werden, um Konflikte zu lösen, Entscheidungen zu reflektieren und auf zukünftige Anforderungen vorbereitet zu werden. Bei Honoraren zwischen 200 und 700 Euro pro Coaching-Termin (1 bis 2 Stunden) stellt sich die Frage nach der Wirksamkeit und Effizienz von Coaching. Was macht Coaching erfolgreich? Woran erkenne ich gutes Coaching? Was ist ein guter Coach? Lohnt sich Coaching?

In diesem .dialog stelle drei Hypothesen zu Qualitätskriterien von Business-Coaching auf. Dabei handelt es sich um Arbeitsthesen, ich freue mich auf Ihre Rückmeldung, Ihre Kritik, Ihre Ergänzungen.

Die Ziele des Coachings werden präzise definiert und der Erfolg wird evaluiert

Im Business-Coaching haben es Coaches oft mit mehreren Auftraggebern zu tun. Da ist auf der einen Seite der Klient, der eigenes Anliegen hat, das Coaching vielleicht als notwendiges Übel auf dem Weg zu einer Führungsposition begreift oder vermutet, das Coaching solle Leistungsdefizite ausgleichen. Auf der anderen Seite steht das Unternehmen, das die Kosten für das Coaching trägt, und damit den Anspruch verbindet, in die Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters zu investieren.

Gutes Coaching muss zu Beginn klären, welche –möglicherweise unterschiedlichen– Ziele mit dem Coaching verfolgt werden. So wünscht sich der Klient vielleicht, im Rahmen des Coachings zu klären, ob die angebotene Führungsposition zu eigenen Zielen passt oder ein alternatives Angebot in Frage kommt. Das Unternehmen hat das Ziel, den Mitarbeiter durch das Coaching auf eine Führungsposition vorzubereiten. Verlässt dieser Mitarbeiter dann das Unternehmen, bewertet er das Coaching vielleicht als sehr hilfreich, das Unternehmen hat möglicherweise eine andere Sicht auf die Dinge.

Nur wenn Ziele definiert sind und Kriterien, die zeigen, ob das Ziel erreicht wurde, lässt sich Erfolg messen. Gutes Coaching ist also erfolgreiches Coaching und damit abhängig von den gesetzten Zielen. Ein guter Coach wird zu Beginn eines Coachings sorgfältig und genau die mit dem Coaching verbunden Zielen klären und den Auftrag, der sich daraus ergibt, gemeinsam mit dem Klienten festlegen; Ein guter Coach wird während des Coaching-Prozesses immer wieder überprüfen, ob und inweit die Ziele sich verändert haben; Ein guter Coach wird am Ende überprüfen, ob die Ziele erreicht wurden und welche weiteren Maßnahmen notwendig sind.

Nur wenn der Erfolg von Coaching-Maßnahmen auch auf Unternehmensebene strukturiert evaluiert wird, und die Ergebnisse für zukünftige Entscheidungen z.B. über die Auswahl von Coaches oder Methoden genutzt werden, kann Coaching langfristig eine effiziente Personalentwicklungsmaßnahme sein.

Der Coach arbeitet auf Basis psychologisch fundierter Theorien und Methoden

Coaching basiert oft auf dem Erfahrungswissen des Coaches und seiner eigenen Feldkompetenz. Ist Coaching also eher ein Handwerk, das auf die Kunstfertigkeit und Kreativität des Coaches, also auf dessen fundiertes Wissen setzt? Kritische Stimmen bemängeln die große Vielfalt an Schulen, Methoden und Ausbildungen sowie fehlende wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit von Coaching. Auch die Berufsbezeichnung Coach ist nicht geschützt und basiert nicht auf einheitlichen Aus- und Weiterbildungsstandards.

Aus meiner Sicht sollte die Vielfalt unterschiedlicher Coaching-Konzepte und Interventionsmethoden, nicht dazu verleiten, die Wirksamkeit von Coaching als Personalentwicklungsmaßnahme grundsätzlich in Frage zu stellen. Ich verstehe Coaching als angewandte Psychologie. Als Naturwissenschaft hat die Psychologie viele Theorien über das menschliche Wahrnehmen, Erleben und Verhalten empirisch untersucht und kann fundierte Aussagen über Lernen und Entwicklung, Motivation und Emotion, Kommunikation und Kooperation machen. Diese Erkenntnisse sollten die Grundlage von Interventionen sein, und können gleichzeitig dazu beitragen, Missverständnisse und überholte Erkenntnisse als solche zu entlarven (z.B. über die Funktion der linken und rechten Gehirnhälfte oder unterschiedliche Lerntypen). Ein guter Coach kennt die entsprechenden psychologischen Grundlagen, und arbeitet mit Methoden, die theoretisch fundiert und empirisch überprüft sind. Das ist keine Garantie für die Qualität von Coaching, aber eine wichtige Voraussetzung.

Der Coach passt zum Klient und versteht die Perspektive des Klienten

Aus der Forschung zur Wirkung von Psychotherapie wissen wir, dass eine gute Beziehung zwischen Therapeut und Klient die Wirkung eine Intervention positiv beeinflusst. Das lässt sich auf Business-Coaching übertragen: Es kommt nicht nur darauf an, dass die eingesetzte Methode zum Anliegen des Klienten passt und der Coach die Methoden zielführend einsetzt, sondern auch darauf, dass der Coach zum Klienten passt. Ein guter Coach ist in der Lage, schnell eine vertrauensvolle Beziehung zum Klienten herzustellen, sowie offen, ehrlich und wertschätzend zu kommunizieren. Erfolgreiches Coaching hängt also von der Gestaltung der Arbeitsbeziehung zwischen Coach und Klient ab. Der Coach benötigt grundlegende kommunikative Kompetenzen, um genau zuhören zu können und die richtigen Fragen zustellen. Der Coach muss in der Lage sein, die Perspektive des Klienten einnehmen zu können, also z.B. einen Konflikt aus dessen Sicht wahrzunehmen, oder die Rahmenbedingungen zu verstehen. Dabei hilft es dem Coach, selbst Erfahrung mit Führung und/oder Berufserfahrung in ähnlichen Branchen, Arbeitsbereichen oder Kontexten zu haben. Die Frage nach der Wirksamkeit von Coaching muss also auch die Passung zwischen Coach und Klient berücksichtigen. Nur wenn Coach und Klient zusammenpassen, wenn „die Chemie stimmt“ und der Coach die Perspektive des Klienten versteht, ist zielführendes Coaching möglich.

In diesem .dialog habe ich drei Hypothesen zur Wirksamkeit von Coaching formuliert. 1.) Die präzise Formulierung des Ziels und die ständige Überprüfung, inwieweit das Ziel erreicht wurde, 2.) die psychologische Fundierung der eingesetzten Methoden und 3.) die Beziehung zwischen Coach und Klient. Auf Basis dieser drei Kriterien lässt sich die Qualität von Coaching beschreiben und im nächsten Schritt auch messen. Das ist die Voraussetzung um gutes von schlechtem Coaching unterscheiden zu können, um dann auf dieser Basis die Effizienz von Coaching als Personalentwicklungsmaßnahme beurteilen zu können.

 

Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien und als Hochschullehrer an der International School of Management. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist digitales Lernen und Arbeiten. Außerdem ist er Geschäftsführer der ich.raum GmbH und arbeitet als Business-Coach mit einem Schwerpunkt auf wertorientierter Führung und Kommunikation.

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Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien und als Hochschullehrer an der International School of Management. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist digitales Lernen und Arbeiten. Außerdem ist er Geschäftsführer der ich.raum GmbH und arbeitet als Business-Coach mit einem Schwerpunkt auf wertorientierter Führung und Kommunikation.

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