Verzerrte Studien IV: Lass uns einmal einen kritischen Blick in die Studie werfen

Im Teil IV der Serie über verzerrte Studien (Teil I, Teil II, Teil III) stelle ich einen Fragebogen vor, mit dem man Studien auf Verzerrungen überprüfen kann.

Vorab allerdings eine wichtige Vorbemerkung: Jede Studie hat ihre Schwächen.

Ja, jede.

Wissenschaft hat hohe Standards, das macht ihren Wert aus, und man kann jede Studie im Nachhinein verbessern. Das heißt allerdings nicht, dass alle Studien gleich gut oder schlecht sind. Es gibt zwar kein „perfekt“, aber es gibt besser und schlechter. Und der nachfolgende Fragebogen soll dabei helfen, bessere von schlechteren Studien zu unterscheiden. Und er soll die Studien offenlegen, die grob irreführend durchgeführt bzw. interpretiert wurden.

Letztendlich kann der Fragebogen allerdings nur einen ersten Anhaltspunkt geben. Oft braucht man Wissenschaftler/innen, die wissen, wie man Studien durchführt, und die auch wissen, wie man täuschen könnte.

Der Fragebogen ist die erste (vorläufige) Version. Ich werde den Fragebogen noch ergänzen und weiterentwickeln. Falls Sie Anmerkungen und Anregungen haben, gerne her damit: wessel@wissensdialoge.de

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Persönliche Anmerkung

Vielleicht zum Abschluss noch ein persönlicher und offener Kommentar, warum mir gute Wissenschaft und gerade das Thema Gruppenunterschiede (v.a. bezogen auf Geschlechtsunterschiede) so sehr am Herzen liegt.

Ich denke, dass wir gute Wissenschaft benötigen um unsere technischen und gesellschaftlichen Probleme zu lösen. In dieser Hinsicht (und bezüglich der Wert-Neutralität) stimme ich Dawkins zu:

Scientific and technological progress themselves are value-neutral. They are just very good at doing what they do. If you want to do selfish, greedy, intolerant and violent things, scientific technology will provide you with by far the most efficient way of doing so. But if you want to do good, to solve the world’s problems, to progress in the best value-laden sense, once again, there is no better means to those ends than the scientific way.
Richard Dawkins

Es ist unglaublich, was uns die Wissenschaft alles gebracht hat — im positiven wie im negativen Sinne. Entsprechend muss Wissenschaft verantwortungsvoll und auf hohem Niveau durchgeführt werden.

Und weil ich gute Wissenschaft sehr schätze, stört es mich, wenn ich wiederholt wirklich grottige Studien sehe, die für sich beanspruchen, wissenschaftlich zu sein, aber bei genauerer Betrachtung vor allem die ideologische Verzerrungen der „Forscher/innen“ widerspiegeln. Und das ist insbesondere bezüglich Geschlechtsunterschieden der Fall.

Und ich persönlich bin es leid, wenn die Wissenschaft, diese Meisterleistung des menschlichen Verstandes, von Deppen/innen als Handlangerin für verquere Ideologien missbraucht wird. Wenn Studien mit dem Ziel durchgeführt werden, ideologische Vorurteile zu bestätigen anstatt neue Erkenntnisse zu bringen. Wenn Interpretationen die Ergebnisse entstellen oder Daten schlichtweg optional werden. Wenn Ideologen/innen unter dem Deckmantel von manipulierten empirischen Befunden bestimmen wollen, wie unsere Welt, unser Leben, und unsere Zukunft auszusehen hat.

Wissenschaft kann mehr. Wenn man sie ehrlich durchführt und ehrlich hält.

 

Was meine eigene Einstellung und Verzerrungen betrifft: Mir ist es persönlich bis auf wenige Ausnahmen egal, ob eine Tätigkeit von einem Mann oder einer Frau ausgeführt wird, oder in welchem Verhältnis die Anzahl der Männer und Frauen in einem Bereich sind. Entscheidend ist für mich, dass die Person die Tätigkeit gut ausübt. Ich schätze Freiheit (v.a., Entscheidungsfreiheit), Fairness (u.a., Chancengleichheit), Transparenz, Kompetenz, Interesse, Persistenz, Intelligenz, Fertigkeiten, Talent, Feedback, und Leistung. Ich denke, dass die am besten qualifizierten Personen unabhängig von sonstigen Gruppenzugehörigkeiten gefördert und gefordert werden sollten.

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