Meine Gruppe – Deine Gruppe

In diesem wissens.block (2) erfahren Sie, warum allein die Existenz verschiedener Gruppen ausreichen kann, damit es zu Spannungen und Konflikten zwischen diesen kommt.

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Das Problem

Innerhalb von Organisationen existieren eine Reihe größerer und kleinerer Gruppen: Abteilungen, Projektteams, Leitungsgremien und viele mehr. Es ist wichtig, dass zwischen allen diesen Gruppen Informationen ausgetauscht und bestimmte Aufgaben gemeinsam bearbeitet werden. Allerdings ist die Existenz dieser Gruppen nicht unproblematisch. Sie kann einerseits dazu führen, dass die eigene Gruppe positiver wahrgenommen wird als andere Gruppen. Man kennt die Mitglieder nicht nur besser, man interagiert auch häufiger miteinander. So bildet sich schnell eine gemeinsame Identität als Arbeitsgruppe oder Projektteam heraus. Als Folge werden die Mitglieder der eigenen Gruppe kooperativer, vertrauenswürdiger oder gar intelligenter eingeschätzt. Zum anderen werden die Mitglieder der eigenen Gruppe auch anders behandelt. Wenn man ihnen mehr vertraut, gibt man ihnen eher wichtige oder gar sensible Informationen weiter, während man dies von anderen Gruppen fernhält. Verhalten kann aber auch selbst dazu beitragen, die eigene Gruppe positiv von anderen abzuheben: So kann eine bevorzugte Verteilung von Informationen an die eigene Gruppe deren Erfolg im Vergleich zu anderen Gruppen fördern. Dieses Verhalten kann dazu beitragen, dass Kooperationen von verschiedenen Arbeitsgruppen oder Projektte ams nicht funktionieren und Informationen im Unternehmen nicht an alle MitarbeiterInnen gleichermaßen weitergegeben werden. Doch was ist die Ursache dafür?

Ursache und Einflussfaktoren

Ursache dieser Eigengruppenfavorisierung ist die Tatsache, dass Menschen einen positiven Selbstwert – ein positives Bild von sich selbst – anstreben. Positiven Selbstwert ziehen sie nicht nur aus der positiven Bewertung der eigenen Person, sondern auch aus der positiven Bewertung der eigenen Gruppen im Vergleich zu anderen Gruppen. Dadurch kommt es auch im Verhalten zu einer Bevorzugung der eigenen Gruppen. Dafür kann bereits die einfache Zuordnung zu einer Gruppe Grundlage sein. Darüber hinaus, spielt es eine Rolle, in welcher Beziehung die eigene Gruppe zu einer anderen Gruppe steht: Besteht überhaupt ein Kontakt zur anderen Gruppe oder weiß man nur um ihre Existenz? Ist die andere Gruppe gar ein Konkurrent um interne Ressourcen oder Gratifikationen?

Zuordnung zu einer Gruppe

Sozialpsychologische Experimente haben gezeigt, dass bereits die zufällige Einteilung von Personen in Gruppen dazu führt, dass die eigene Gruppe der anderen Gruppe gegenüber bevorzugt wird. Es ist nicht einmal notwendig, dass man die anderen Mitglieder der Gruppe kennt und mit ihnen über einen bestimmten Zeitraum interagiert. Mitglieder einer Abteilung beispielsweise werden also immer darum bemüht sein, ihre Abteilung positiv von anderen Abteilungen abzuheben. Sie werden verstärkt zum Erfolg ihrer eigenen Abteilung beitragen und das gegebenenfalls auf Kosten anderer Abteilungen.

Fehlender Kontakt

Fehlender Kontakt zu den Mitgliedern anderer Gruppen führt zu fehlendem Wissen über diese Mitglieder. Das kann die Bevorzugung der eigenen Gruppe oder gar die Benachteiligung der anderen Gruppe weiter befördern. Ohne persönlichen Kontakt und Wissen über die Anderen ist es noch leichter die Anderen negativer wahrzunehmen, sie alle „über einen Kamm zu scheren“

und ihnen so die Berechtigung für verfügbare Ressourcen abzusprechen. Mitglieder einer Abteilung in einem anderen Gebäudeflügel oder gar an einem anderen Standort lassen sich noch einfacher verklären. Sich auf ihre Kosten positiv darzustellen oder ihnen Zugang zu Ressourcen zu erschweren fällt folglich leichter. Konkurrenz Noch problematischer kann die Interaktion mit Gruppen sein, mit denen die eigene Gruppe in Konkurrenz steht. Hier geht es nicht mehr nur um das positive Darstellen der eigenen Gruppe im Vergleich zur anderen Gruppe. Es geht direkt um die Konkurrenz um wertvolle

Ressourcen.  Konkurrieren zum Beispiel zwei Abteilungen um einen Abteilungsbonus, ist die Bevorzugung von Mitgliedern der eigenen Abteilung sogar funktional für das Erlangen des Bonus.

Zitieren als: Wodzicki, K. (2011). Meine Gruppe – deine Gruppe: Ursachen der Eigengruppenfavorisierung. wissens.blitz (2). http://www.wissensdialoge.de/ursachen_eigengruppenfavorisierung

Katrin Wodzicki

Als Koordinatorin an der Georg-August-Universität Göttingen berät Dr. Katrin Wodzicki NachwuchswissenschaftlerInnen und organisiert karrierebezogene Workshops und Veranstaltungen. Sie studierte Psychologie an der Universität Jena und promovierte an der Universität Zürich. Anschließend forschte sie zu psychologischen und motivationalen Aspekten der computer-vermittelten Kommunikation und Kooperation am Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über Social Media, Teaminteraktion und Arbeitsorganisation.

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Katrin Wodzicki

Als Koordinatorin an der Georg-August-Universität Göttingen berät Dr. Katrin Wodzicki NachwuchswissenschaftlerInnen und organisiert karrierebezogene Workshops und Veranstaltungen. Sie studierte Psychologie an der Universität Jena und promovierte an der Universität Zürich. Anschließend forschte sie zu psychologischen und motivationalen Aspekten der computer-vermittelten Kommunikation und Kooperation am Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über Social Media, Teaminteraktion und Arbeitsorganisation.

4 Gedanken zu „Meine Gruppe – Deine Gruppe

  • Pingback: Rund um organisationales Lernen – Ein erstes Resumé - wissensdialoge

  • anne85k@yahoo.de'
    7. Mai 2011 um 12:57
    Permalink

    Vorstellbar wäre doch, dass man zumindest in manchen Betrieben das Problem der Eigengruppenfavorisierung etwas reduzieren könnte, indem man z.B. allen Projektteams ein großes gemeinsames Ziel vorgibt. Also jedes Team zwar eine eigene Aufgabe verfolgt, jedoch am Ende das Ziel nur durch Zusammenschluss aller „Puzzleteile“ erreicht werden kann. So weiß jede Gruppe um ihren Wert, aber vergisst dabei nicht, dass auch alle anderen Gruppen sinnvolle Beiträge zur endgültigen Zielerreichung leisten und man somit folglich auf einer höheren Ebene auch als Gesamtgruppe verbunden ist.

  • ta.scherz@gmx.net'
    9. Mai 2011 um 7:13
    Permalink

    Hi,

    die Idee die Eigengruppenfavorisierung durch ein gemeinsames Ziel zu reduzieren finde ich gut. Wenn die einzelnen Gruppen dann miteinander kommunizieren müssen kann man einen Einblick in die jeweils anderen Gruppen bekommen und eine andere Meinung bilden. Jedoch muss man auch bereit sein mit den anderen zu kooperieren.

  • m.bruckgraber@gmx.at'
    9. Mai 2011 um 12:23
    Permalink

    Hallo.

    Ich denke, dass sich eine erfolgreiche Organisation vor allem über die Kommunikation untereinander definiert. Gruppen, die vorhandene Informationen nur spärlich oder gar inkorrekt an andere weitergeben, schaden nicht nur dem Klima innerhalb der Kollegenschaft, sondern auch der gesamten Organisation. Wobei man hier vielleicht auch den Eigennutzen nicht außer Acht lassen darf, wenn sich eine Einzelperson bspw. hinsichtlich der Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb eines Unternehmens besonders profilieren will, deshalb das Gesamtziel aus den Augen verliert, und nur mehr auf seinen/ihren eigenen Vorteil bedacht ist.

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