Ubiquitous Working – ein Gewinn an Flexibilität oder vor allem ein Mehr an Arbeit?

Die Entwicklungen der letzten Jahre in der Kommunikationstechnik ermöglichen WissensarbeiterInnen eine flexible Gestaltung ihrer Arbeit. Doch die neue Freiheit birgt auch Risiken.

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Ubiquitous Computing

Der Begriff des „Ubiquitous Computing“ beschreibt die Allgegenwart der Rechnergestützten Informationsverarbeitung. In immer mehr Gegenständen sind kleine Computer integriert, die ohne unser Zutun miteinander kommunizieren. Die damit verbundene Vision des „Internet der Dinge“ bezieht sich auf eine globale Netzwerk-Infrastruktur, die den ständigen Austausch von Informationen ermöglicht. Dieser Trend beeinflusst den Arbeitsalltag von WissensarbeiterInnen.

Mobile Devices wie Laptops, Smartphones und Tablets ermöglichen über das Internet Zugriff zu allen nötigen Informationen. Mitarbeitende können jederzeit und von überall aus arbeiten: Aus der Rechnerallgegenwart ergibt sich eine Allgegenwart der Arbeit – Ubiquitous Working. Das führt zu einer Veränderung im Verständnis und der Gestaltung von Arbeit. Je nach Perspektive bestehen unterschiedliche Chancen und Risiken.

Arbeitgeber: Höhere Produktivität oder Verlust an Kontrolle?

Für Arbeitgeber ergeben sich dadurch neue Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Es besteht keine Ortsbindung mehr, ExpertInnen können unabhängig von Entfernungen über Ländergrenzen hinweg engagiert werden und arbeiten von wo sie möchten. Das ermöglicht eine globale Zusammenarbeit, die früher nicht möglich war. Angestellte können ihre Arbeit leichter mit ihrem Privatleben (z.B. Versorgung von Kindern oder Pflege von Verwandten) vereinbaren und fallen somit seltener aus. Nebenbei erhöht die leichtere Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch die Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Durch die Reduzierung von Reisekosten und Büroräumen lassen sich Kosten einsparen. Die Mitarbeitenden sind dank der Technologie beinahe immer und überall zu erreichen. Allerdings entfällt auch eine Kontrollmöglichkeit. Lässt sich der konkrete Inhalt der Arbeit schon im Büro nicht immer genau nachvollziehen, verliert der Arbeitgeber nun auch noch das Wissen über den genauen Aufenthaltsort seiner Angestellten. Ein Risiko für die Produktivität ist außerdem die Gefahr von zusätzlichen Unterbrechungen durch die Umgebung, z.B. wenn man im Café, der U-Bahn oder auch zuhause arbeitet, oder wenn die Arbeit unterbrochen wird, um „zwischendurch mal“ den Einkauf zu erledigen.

Arbeitnehmer: Mehr Freiheit und Selbstverwirklichung oder zunehmende Gefahr eines Burnouts?

Aus Arbeitnehmerperspektive ergeben sich aus dem „always on“ ebenfalls positive und negative Folgen. Ubiquitous Working führt zu einer deutlichen Steigerung der Flexibilität, Beruf und Familie lassen sich leichter vereinbaren. Arbeitszeiten können auf den persönlichen Rhythmus abgestimmt werden: Eine Idee spät in der Nacht oder Arbeiten im Morgengrauen sind kein Problem. Außerdem entfallen Kosten und Zeit für lästiges Pendeln. Auf der anderen Seite verschwimmen damit unweigerlich die Grenzen zwischen Arbeit und Privatem. Skeptiker befürchten statt einer Zunahme an Flexibilität vor allem eine Zunahme der Arbeit. Muss ich jederzeit für den Chef erreichbar sein, weil es theoretisch möglich ist? Dadurch entstehende kurzfristige Arbeitsaufträge von Vorgesetzten und der Druck, ständig erreichbar sein zu müssen, erhöhen den Arbeitsstress und erschweren es dem Arbeitnehmer, von der Arbeit abzuschalten und sich zu erholen.

Fazit

Der Trend des Ubiquitous Working bietet sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber Chancen und Risiken. Für eine erfolgreiche Nutzung bedarf es Strategien, die den neuen Bedingungen angepasst sind. Ein möglicher Ansatz ist die Verschiebung von einem Fokus auf Input hin zum erreichten Output. Arbeitserfolg wird dann nicht an investierten Ressourcen wie z.B. der Arbeitszeit, sondern an der Erfüllung von vorher klar definierten Zielen gemessen. Wann und wie die Arbeit erledigt wird, ist nachrangig. Zudem sollten klare Regeln zur Erreichbarkeit festgelegt werden, zum einen zum Schutz der Mitarbeitenden, aber auch um eine reibungslose Kommunikation innerhalb der Organisation oder zu externen Personen zu ermöglichen.

 

Literaturnachweis: Davis, G.B. (2002). Anytime/anyplace computing and the future of knowledge work. Communications of the ACM, 45(12), 67-73.
Rainie, L. & Anderson, J.Q. (2008). The future of the Internet III. Pew Internet & American Life Project, http://www.pewinternet.org/files/old-media//Files/Reports/2008/PIP_FutureInternet3.pdf.pdf (abgerufen am 28.08.2014).

Zitieren als: Renner, B. (2014). Ubiquitous Working – ein Gewinn an Flexibilität oder vor allem ein Mehr an Arbeit? wissens.blitz(141). http://www.wissensdialoge.de/ubiquitous_work

 

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