Tod durch Powerpoint – Drei Gründe, warum Sie sich gute Folien besser merken können!

Wie viele öde, einschläfernde, sinnfreie oder unverständliche PowerPoint-Präsentationen haben Sie in Ihrem Leben schon ertragen müssen? Und wie viele haben Sie selbst schon gehalten? „Powerpoint is evil“ schreibt Yale-Professor Edward Tufte 2003. „Nun warnen Forscher: Die Folien machen dumm.“ So ist es in der FAZ zu lesen. In dem Artikel wird Kollege Christof Wecker aus München zitiert (Er hat mal neben an am Institut für Wissensmedien in Tübingen gearbeitet.) mit einer Warnung vor Powerpoint. Ich habe mir die Original-Studie angeschaut, die Wecker 2012 zu diesem Thema in der Zeitschrift Computer & Education veröffentlich hat. Die Aussagen sind hier etwas differenzierter, aber nicht minder interessant, auch und gerade für Unternehmen und Organisationen. In diesem Beitrag stelle ich Ihnen drei Gründe vor, warum Powerpoint-Präsentationen problematisch sind.

Grund Nr. 1: Redundante Informationen führen zu unnötiger Belastung.

Diese Erklärung stammt aus der Cognitive Theory of Multimedia Learning und bezieht sich zunächst auf multimediale Lerninhalte, also solche die Bilder, gesprochenen Texte und gelesenen Text kombinieren. Das lässt sich auf eine Präsentation mit Powerpoint übertragen: Sie hören den gesprochenen Text der Vortragenden und lesen dieselbe Informationen auf deren Folien.  Dieselbe Information muss also sowohl auditive als auch visuell wahrgenommen werden. Solange die Informationen redundant sind, entsteht dadurch eine überflüssige kognitive Belastung. Spätestens, wenn es sich um komplexe Inhalte handelt, die Ihre kognitiven Kapazitäten ganz fordern, wird das Einfluss auf Verstehen und Lernen haben.

Grund Nr. 2: Folien reduzieren die Aufmerksamkeit für das gesprochene Wort

Diese Frage hat Christof Wecker in einer Studie untersucht. Dazu hat er einen Vortrag in drei Versionen erstellt. Einmal mit Folien, einmal mit verkürzten Folien, einmal ohne Folien. Außerdem wurden in den Vortrag gezielt Informationen eingebaut, die nicht auf den Folien zu lesen waren. Im Anschluss wurde mit einem Fragebogen gemessen, was die Zuhörenden sich von dem Vortrag merken konnten. Das Ergebnis: Werden Folien gezeigt, erinnern sich die Probanden schlechter an die nur gehörten Informationen als in der Bedingungen in der keine Folien gezeigt wurden. Dieses Ergebnis repliziert Ergebnisse aus früheren Studien und legt einen sogenannten speech suppression effect nahe: Folien reduzieren die Aufmerksamkeit für das gesprochene Wort.

Grund 3: Wir glauben, die Folien wären wichtig.

Der speech suppression effect-Effekt tritt dabei nur bei den Personen auf, welche die gezeigten Folien als wichtig bewerten. Nur hier scheint es zu einer dysfunktionalen Verschiebung der Aufmerksamkeit weg vom gesprochenen Wort hin zum Inhalt der gezeigten Folien zu kommen. Werden Folien gezeigt, führt das zu der (falschen) Annahme, dass diese Folien wichtiger wären als das gesprochene Wort. Folien reduzieren also nicht generell die Aufmerksamkeit für das gesprochene Wort. Dieser Effekt tritt nur auf, wenn Sie glauben, die Inhalte auf den Folien wären wichtig,

Die Lösung?

Die berichtete Studie zeigt, dass der Einsatz von Folien mit verkürzten Informationen hier eine sinnvolle Strategie ist. Da die Gesamt-Erinnerungsleistung in den Bedingungen mit Folien (verkürzt oder umfangreich) im Vergleich zur Bedingung, in der keine Folien verwendet wurden, besser waren, scheint der Einsatz von Folien mit verkürzten Informationen eine naheliegende Lösung.

Präsentieren Sie auf den gezeigten Folien nur wenige Information und wenige Stichworte. Verwenden Sie keine ausführlichen Sätze, die redundant zum gesprochenen Wort sind.

Die Studie zeigt aber auch: Es kommt auf die Zuhörenden an. Der Nachteil von Folien zeigt sich nur bei den Personen, die von der Relevanz der Folien überzeugt waren. Auch das ist eine Lösung.

Machen Sie sich und den Zuhörenden klar, was die Funktion Ihrer Folien ist. Wenn Sie die Folien als Ihr persönliches Redemanuskript verwenden, verlieren Sie den Fokus auf das gesprochene Wort.

Mein Fazit: Der Einsatz von Folien bei Präsentationen und Vorträgen ist nicht immer schlecht. Es kommt darauf an, wie Folien eingesetzt werden. Dafür gibt es mittlerweile viele Anleitungen wie „Presentation Zen“ oder „8 Einfache Regeln für bessere Powerpoint-Präsentationen“. Probieren Sie es aus!

Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien und als Hochschullehrer an der International School of Management. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist digitales Lernen und Arbeiten. Außerdem ist er Geschäftsführer der ich.raum GmbH und arbeitet als Business-Coach mit einem Schwerpunkt auf wertorientierter Führung und Kommunikation.

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Johannes Moskaliuk

Johannes Moskaliuk arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien und als Hochschullehrer an der International School of Management. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist digitales Lernen und Arbeiten. Außerdem ist er Geschäftsführer der ich.raum GmbH und arbeitet als Business-Coach mit einem Schwerpunkt auf wertorientierter Führung und Kommunikation.

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