Was und wie lernen Teams?

Heute ist Teamarbeit integraler Bestandteil moderner Organisationen – Teamlernen zu verstehen ist somit auch eine Voraussetzung dafür geworden, organisationale Lernprozesse systematisch zu unterstützen.

Download: wissens.blitz (32)

Das Lernen von Teams, ist spätestens seit den 90er Jahren ein „Hot Topic“ in der Psychologie und verwandten Disziplinen. Eine schnelle Suche in einer Literaturdatenbank resultiert in 638 Artikeln. Google schlägt mir gar über eine halbe Million Treffer vor. Stefan Decuyper und Kollegen aus Belgien bzw. den Niederlanden entwickelten aus dieser Fülle an Literatur zum Thema Teamlernen ein integratives Modell, das ich als wissens.blitz zusammengefasst habe. Die interessierten LeserInnen seien auch auf den Originalartikel (s.u.) verwiesen.

Was lernen Teams?

Was genau lernen Teams? Der Artikel zitiert mehrere bekannte Kategorisierungsversuche von Lernergebnissen, bspw. Die Unterscheidung von Primären und Sekundären Lernergebnissen, wobei Ersteres explizite Veränderungen bzw. Verbesserungen in der Teamarbeit sind, Zweiteres eher als Nebeneffekte zu bezeichnende Anpassungen an gegebene Anforderungen. Überzeugend fand ich die Unterscheidung in Aufgabenbezogene Lernergebnisse, Prozessbezogene Lernergebnisse und Soziale Lernergebnisse.

Mögliche Kategorisierung von Lernergebnissen:1

  1. Primäre und sekundäre Lernergebnisse
  2. Explizite und implizite Lernergebnisse
  3. Aufgaben- und prozessbezogene Lernergebnisse
  4. Soziale Lernergebnisse

Wie lernen Teams?

Es resultieren 3 grundlegende Prozessvariablen, die Team Learning beschreiben, also die Fragen: Wie lernen Teams eigentlich? Das Modell beschreibt folgende Mechanismen: Durch 1) „Austausch“ (genau genommen jeder kommunikative Akt zwischen Teammitgliedern), 2) Ko-Konstruktion, also die Entwicklung von gemeinsamem Wissen, Vorstellungen, Verhalten u.ä., und 3) konstruktiven Konflikt, also insbesondere das Verhandeln unterschiedlicher Vorstellungen und Meinungen.

Weitere förderliche Faktoren sind die Teamreflexivität (siehe den wissens.blitz(7)) von Annika Scholl), d.h. die regelmäßige Reflexion über Aufgaben, Ziele und die Teamzusammenarbeit, außerdem die Team Aktivität (die eigentliche Zusammenarbeit im Zuge der Aufgabenerfüllung), Boundary Crossing, d.h. der Kontakt zu anderen Teams, Stakeholdern innerhalb der Organisation, Networking etc., und letztlich auch Speichern und Abruf von neu erworbenem Wissen und neuen Verhaltensweisen, so dass sie später wieder verfügbar sind.

Mechanismen des Teamlernens:

  1. Austausch
  2. Ko-Konstruktion
  3. Konstruktiver Konflikt

Auch wenn es im zitierten Artikel ganz sepzifisch um Teamlernen geht, behandeln die Autoren auch die Frage, wer denn nun lernt: Hier muss man hinzufügen, dass natürlich die einzelnen Teammitglieder ebenso lernen können wie auch die Organisation als Ganzes, wenn nämlich Routinen und Standards verändert bzw. optimiert werden oder Teams Innovationen auf organisationaler Ebene vorantreiben.

Was beeinflusst das Teamlernen?

Einflussfaktoren auf das Teamlernen werden ebenfalls diskutiert, ich erwähne nur stichwortartig die dort erwähnten, nämlich geteilte mentale Modelle, die partizipative Sicherheit, die wahrgenommene Gruppenwirksamkeit, Gruppenkohäsion, Führung und die Teamentwicklung (i.S. struktureller Prozesse) und zuletzt natürlich auch die Gruppenstruktur und -zusammensetzung. Dazu kommen Faktoren auf individueller und organisationaler Ebene, die im Originalartikel vollständig aufgeführt sind.

Einflussfaktoren:

  1. Individuelle Faktoren: Vorerfahrungen und Vorwissen, Motivation, Vertrauen, Teamfähigkeit etc.

2.  Teamfaktoren: (geteilte) mentale Modelle, wahrgenommene Gruppenwirksamkeit, Gruppenkohäsion, Führung, Gruppenstruktur etc.

3. Organisationale Faktoren: Unterstützung, Belohnungssysteme, Kommunikationsstrukturen etc.

Fazit

Das integrative Modell des Teamlernens fasst sowohl die Ergebnisse, die Prozesse als auch die Einflussfaktoren übersichtlich zusammen und kann daher als Grundlage für die Implementation von Teamlernen im organisationalen Kontext genutzt werden.

 

Literaturnachweis:
Decuyper, S., Dochy, F., & Van den Bossche, P. (2011). Grasping the dynamic complexity of team learning: An integrative moedel for effective team learning in organisations. Educational Research Review, 5(2), 111-133.

Zitieren als: Knipfer, K. (2011). Was und wie lernen Teams? wissens.blitz (32). http://www.wissensdialoge.de/teamlernen2

 

Kristin Knipfer

Dr. Kristin Knipfer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der TU München und befasst sich mit individuellen, kooperativen und organisationalen Lern- und Wissensprozessen. Sie ist als Dozentin für das Executive Education Center der TUM sowie als Trainerin für wissenschaftliche Einrichtungen tätig. Auf wissens.dialoge schreibt sie zu den Themen Führung, Reflexion und Wissensaustausch.

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Kristin Knipfer

Dr. Kristin Knipfer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der TU München und befasst sich mit individuellen, kooperativen und organisationalen Lern- und Wissensprozessen. Sie ist als Dozentin für das Executive Education Center der TUM sowie als Trainerin für wissenschaftliche Einrichtungen tätig. Auf wissens.dialoge schreibt sie zu den Themen Führung, Reflexion und Wissensaustausch.

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