Durch Reflexion vom Problem zur Lösung

Erfahrungen am Arbeitsplatz liefern die Grundlage zum Lernen und zur Weiterentwicklung eigener Fähigkeiten. Reflexion über vergangene Erfahrungen kann diesen Prozess unterstützen und insbesondere die Entwicklung kreativer Lösungen für die Zukunft fördern.

Download: wissens.blitz (50)

Vergangene Erfahrungen bieten häufig die Grundlage dafür, eigene Fähigkeiten weiterzu­ent­wickeln, Strate­gien in der Zusammenarbeit oder bei der Bearbeitung von Aufgaben anzupassen und aus Arbeitssitu­atio­­­nen zu lernen. Dieses Lernen aus Erfah­rung (siehe wissens­.blitz (24)) findet besonders dann statt, wenn Situ­ationen sich nicht wie gewünscht entwickeln oder Pro­bleme bei der Arbeit auftreten. Gezieltes Nach­denken darüber, was wir in einer Situation hätten besser machen kön­nen, kann dazu beitragen, die eigene Leistung zu stei­gern und ähnliche Probleme zukünftig zu verhindern.

Lernen durch Reflexion

Reflexion kann als Prozess betrachtet werden, der mit einer persön­lichen Erfahrung, zumeist einem Problem oder Misserfolg, beginnt. Beispielsweise nimmt ein Mitarbeiter wahr, dass er eine Aufgabe schlecht gelöst hat. Diese Wahrnehmung kann Reflexion auslösen, bei der man das Problem analysiert und sich mögliche alternative Handlungen und Ergebnisse überlegt. Dabei könnte sich der Mitarbeiter überlegen, inwiefern z.B. mehr Informatio­nen für seine Arbeit hilfreich gewesen wären oder ob er frühzeitig um Unterstützung hätte bitten können. Reflexion kann im Anschluss die Ablei­tung von Ideen und Vorsätzen erleichtern, wie er ähn­liche Aufgaben in Zukunft besser bearbeiten und seine Strategien anpassen kann. Refle­xion kann dabei auf verschiedene Aspekte einer Situa­tion fokussieren: Während sich eine Form der Refle­xion eher auf mögli­che Problemursachen fokus­siert, begüns­tigt die andere die Entwick­lung kreativer Lösungen.

(1) Die Analyse möglicher Problemursachen

Reflexion kann helfen, über eine ganz bestimmte Hand­lung nachzu­denken, die zu einem Problem beigetragen haben könnte, und somit die Ursachen eines Problems zu finden. Beispielsweise kann sich der Mitar­beiter da­rauf konzentrieren, dass er besser nicht so viele Termine kurz vor einer Deadline vereinbart hätte, um mehr Zeit für die Aufgabe zu haben. Er beschäftigt sich so mit Ereignissen oder Handlungen, die tatsächlich stattge­funden haben, und analysiert, wie die Veränderung dieser Umstände die Leistung hätte verbessern können.

Eine derartige Reflexion kann dabei helfen, ein Problem genau zu analysieren: Gedanken dieser Form zeigen mögliche Verbindungen zwi­schen konkreten Hand­lun­gen (z.B. viele Termine vereinbart zu haben) und Ergeb­nissen (z.B. wenig Zeit zur Verfügung zu haben) auf.

(2) Die Entwicklung kreativer Problemlösungen

Reflexion über Handlungsalternativen kann auch dazu bei­tragen, dass Personen kreative Ideen entwickeln, die sie in Zukunft umsetzen können. Solche Lösungsideen wer­den insbesondere durch Überlegungen darüber gefördert, welche (zusätzlichen) Handlungen oder Ereig­nisse zu einer besseren Leistung beigetragen hätten. Beispiels­weise kann eine Person sich ausmalen, dass sie Kollegen um Hilfe hätte bitten können oder sich über vorhan­dene Doku­mente mehr Informationen hätte ein­holen können. Diese Gedanken über Handlungen oder Ereig­nisse, die bisher (noch) nicht stattge­funden haben, zeigen uns neue Möglichkeiten auf. Diese Form der Reflexion kann damit zur Entwick­lung inno­vativer und anwendbarer Ideen für die Zukunft beitra­gen.

Fazit: Konsequenzen und Möglichkeiten zur Förderung

Forschungsergebnisse zeigen, dass insbesondere die letztere Form der Reflexion zum Lernen und zur Leistun­gssteigerung beitragen kann. Dies ist der Fall, wenn Personen alleine Aufga­ben bearbeiten, aber auch in der Zusammenarbeit mit ande­ren (siehe wis­sens.­blitz (7)). Dabei ist bei beiden Formen die Konzentration auf Faktoren, die Mitarbeitende in gewissem Ausmaß (mit) beeinflussen können, notwendig. Individuelle Faktoren der Person können je die eine oder andere Form der Reflexion begünstigen. Aller­dings lässt sich Refle­xion gezielt durch Feedback zur Leis­tung und den angewen­deten Strate­gien unterstüt­zen, um die eigene Sichtwei­se eines Problems um wert­volle Infor­mationen aus einer Außenperspek­tive zu ergänzen und weiteres Nachden­ken anzustoßen.

 

Literaturnachweis:
Epstude, K., & Roese, N. J. (2008). The functional theory of counterfactual thinking. Personality and Social Psychology Review, 12, 168-192.
Kray, L. J., Galinsky, A., & Markman, K. D. (2009). Counterfactual structure and learning from experience in negotiations. Journal of Experimental Social Psychology, 45, 979-982.
Markman, K. D., Lindberg, M. J., Kray, L. J., & Galinsky, A. D. (2007). Implications of counterfactual structure for creative idea generation and analytical problem solving. Personality and Social Psychology Bulletin, 33, 312-324.

Bildnachweis: https://pixabay.com/de/lampe-abend-städtischen-licht-429719/

Zitieren als: Scholl, A. (2011). Durch Reflexion vom Problem zur Lösung. wissens.blitz (50). http://www.wissensdialoge.de/reflexion_zum_problemloesen

Annika Scholl

Annika Scholl forscht am Leibniz-Institut für Wissensmedien und hält Lehrveranstaltungen an den Universitäten in Tübingen und Konstanz. Als Sozial- und Organisationspsychologin publiziert sie regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Branchenmagazinen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über die Themen Macht und Führung, organisationales Lernen, Reflexion als Lernprozess und den Wissenaustausch in Arbeitsteams.

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Annika Scholl

Annika Scholl forscht am Leibniz-Institut für Wissensmedien und hält Lehrveranstaltungen an den Universitäten in Tübingen und Konstanz. Als Sozial- und Organisationspsychologin publiziert sie regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Branchenmagazinen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über die Themen Macht und Führung, organisationales Lernen, Reflexion als Lernprozess und den Wissenaustausch in Arbeitsteams.

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