Durch Reflexion gemeinsam zum Erfolg?!

In diesem wissens.blitz erfahren Sie, wie Reflexion zum Erfolg von Teams beitragen kann.

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Teamarbeit in Organisationen

Teamarbeit ist heute in vielen Organisationen üblich. Durch die Zusammenarbeit von Perso­nen aus unterschiedlichen Bereichen können verschiedene Kompetenzen kombi­niert und ge­­­mein­sam eine hohe Leistung erbracht wer­den. Neben diesem Potential beinhaltet die Team­­­arbeit auch die Heraus­forderung, die ver­­schie­denen Vorgehensweisen der Team­mit­­glie­der unter­einander zu koordinie­ren. Bei­spielsweise muss hin und wieder abge­stimmt werden, wer über welches Material ver­fügt bzw. wel­che Informa­tionen benötigt. Diese Koor­dination gelingt be­son­ders dann, wenn Teammitglieder regel­mäßig über ihre Strate­gien in der Zusam­men­arbeit reflektie­ren.

Reflexion über die Teamarbeit

Reflexion beschreibt ei­nen Prozess, bei dem sich Personen bewusst mit ihren Er­fah­rungen in der Team­arbeit aus­einandersetzen, Alter­na­tiven zu ihren Vorgehens­wei­sen überlegen, und Ideen für Ver­besserungen ent­wickeln. Refle­xion ist dabei besonders wichtig bei komplexen Aufgaben, die ein hohes Aus­maß an Koordi­nation erfor­dern. Ein Bei­spiel dafür stellt ein Team von Kundenbera­tern dar, die verschiedene Anfor­der­ungen und Wün­sche der Kunden an Pro­duk­te zusammentra­gen und integrieren. Durch die kriti­sche Ausei­nan­der­setzung mit ihren Strategien und Zie­len kön­nen mögliche Probleme und Unstim­mig­kei­ten  im Team früher erkannt werden, das gemein­same Vorgehen zu­künf­tig entspre­­ch­end ange­passt und so ein effektive­res Ar­be­i­ten ermög­licht werden. Im Zusammenhang von Teams wird hier auch von „Team­refle­xi­vi­tät“ ge­spro­­chen. Diese beschreibt das Aus­maß, in dem Teammitglieder regelmäßig über ihre Zusam­menarbeit reflektieren und ihr Vorge­hen an gegebene Umstände anpas­sen.

(Miss-)Erfolge als Anlass zur Reflexion

Die psychologische Forschung hat gezeigt, dass Personen beson­ders dann reflek­tieren, wenn sie einen konkre­ten Handlungs­bedarf wahrnehmen, z.B. nach nega­tiven Erfahrun­gen oder Misserfolgen. In solchen Fällen sind sie beson­ders bestrebt da­rin, Lösungs­möglich­kei­­ten zu fin­den. Aber auch die Reflexion über Er­folge kann wün­schens­­werte Effek­­te haben, da diese das Selbst­­ver­­­trau­en stei­gern und den Zu­sam­men­halt des Teams fördern kann. Reflexion findet dabei zumeist mit besonderem Fokus auf diejenigen Aspekte der Arbeit statt, die die Per­son selbst be­ein­flus­sen kann. Eini­ge Stu­dien­ wei­sen da­rauf hin, dass Re­fle­xion beson­ders förderlich ist, wenn Perso­nen indi­vi­duell über die Zusam­men­­ar­beit reflek­­­tieren, anstatt dies (aus­schlie­ß­­lich) in Diskussionen im Team zu tun.

Höhere Leistung durch Reflexion

Ergebnisse  aus dem organisatio­na­­­­­len Kontext zeigen, dass Arbeitsteams, de­ren Teammit­glieder häufiger reflektieren, eine höhere Leis­tung und Kreativität zei­gen. Dieser Effekt wird unter anderem da­durch erklärt, dass sich Personen im Team mit zu­nehmender Refle­xion vermehrt unterei­nan­der über ihre Vor­gehensweisen aus­tau­schen und ihr Verhalten besser aufeinander abstimmen, was wie­der­um in einer besseren Leistung resultiert.

Reflexion als Teamintervention

Zudem kann Reflexion als Interven­tion ein­gesetzt werden. Sie kann z.B. vom Manage­ment unterstützt werden, indem dieses zur Reflexion anregt oder auch externe Perso­nen einset­zt, die Teammitglieder bei der individu­ellen Reflexion gezielt unter­stützen. Dabei kön­nen Fragen helfen wie „Wie nehme ich/ nehmen wir die gemeinsamen Ar­beitsabläufe wahr, wo treten Probleme auf?“, „Wie könnte die Zusam­men­­arbeit noch ver­bessert wer­den?“, und „Wie lässt sich dies in Zukunft um­set­zen?“. Somit steigert Refle­xion die Leistung und kann letztlich auch die Zufrieden­heit der Team­mit­glieder mit ihrer Arbeit för­dern. Refle­xion be­schreibt damit eine für Organisa­tionen und Mit­ar­­bei­ter­­Innen relativ leicht und viel­sei­tig einsetzbare Me­thode, bei der die Expertise und Ideen der Team­mit­glieder zur Verbes­se­­rung der Arbeitsabläu­fe mit genutzt werden.

Bildnachweis: https://pixabay.com/de/glas-fassade-bunte-architektur-200888/
Literaturhinweis: Gurtner, A., Tschan, F., Semmer, N. K., & Nägele, C. (2007). Getting groups to develop good strategies: Effects of reflexivity interventions on team process, team performance, and shared mental models. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 102, 127-142.

Zitieren als: Scholl, A. (2011). Durch Reflexion gemeinsam zum Erfolg?! wissens.blitz (7). http://www.wissensdialoge.de/reflexion-in-teams

Annika Scholl

Annika Scholl forscht am Leibniz-Institut für Wissensmedien und hält Lehrveranstaltungen an den Universitäten in Tübingen und Konstanz. Als Sozial- und Organisationspsychologin publiziert sie regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Branchenmagazinen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über die Themen Macht und Führung, organisationales Lernen, Reflexion als Lernprozess und den Wissenaustausch in Arbeitsteams.

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Annika Scholl

Annika Scholl forscht am Leibniz-Institut für Wissensmedien und hält Lehrveranstaltungen an den Universitäten in Tübingen und Konstanz. Als Sozial- und Organisationspsychologin publiziert sie regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Branchenmagazinen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über die Themen Macht und Führung, organisationales Lernen, Reflexion als Lernprozess und den Wissenaustausch in Arbeitsteams.

4 Gedanken zu „Durch Reflexion gemeinsam zum Erfolg?!

  • k.knipfer@iwm-kmrc.de'
    10. Februar 2011 um 13:36
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    Gibt es denn Studien, die verlässliche Zahlen angeben, wie oft bzw intensiv Teams reflektieren? Ich kann mir gut vorstellen – und kenne das aus der eigenen Arbeit, dass eine systematische Reflexion der (nicht) erreichten Ziele und des Teamarbeitsprozesses nach Projektende unter den Tisch fällt. Das Projekt endet in der Regel mit der Erreichung des Projektziels und selten nehmen sich Teams die Zeit, ihr Vorgehen und Erfolge aber auch Misserfolge zu reflektieren.

    Und wenn reflektiert wird, kenne ich es, dass man bei der Frage „was lief gut“, „was lief schlecht“ stehen bleibt und vernachlässigt, wie wichtig es ist, gemeinsam sog. lessons learned abzuleiten – also Handlungsimplikationen für ähnliche Situationen in der Zukunft zu definieren und diskutieren.

    Antwort
  • 10. Februar 2011 um 15:34
    Permalink

    Das ist eine spannende Frage. Ich kenne dazu bislang nur Studien mit studentischen Teilnhemenden, aus dem Arbeitskontext sind mir dazu keine Studien bekannt. Ich sehe in jedem Fall deinen Punkt, dass Reflexion im Arbeitsalltag häufig Gefahr laufen mag, vernachlässigt zu werden, sei es aus zeitlichen Gründen oder auch weil man möglicherweise nach Abschluss eines Projektes dann doch relativ zufrieden mit dem Endergebnis ist.

    Zum einen denke ich wäre da eine Möglichkeit, Reflexion zu unterstützen, indem man als MitarbeiterIn oder Vorgesetzte/r im Team dazu anregt. Gerade beim Abschluss von Projekten und Ähnlichem kann es hilfreich sein, das zeitlich mit dem Erstellen von Abschlussberichten etc. zu kombinieren. Auf der anderen Seite zeigen einige Studien, dass die gemeinsame Reflexion im Team der individuellen Reflexion unterlegen sein kann – d.h. es ist nach den Forschungsergebnissen zwar nützlich, über die Teamarbeit und Möglichkeiten zur Verbesserung dabei zu reflektieren, aber diese Reflexion zieht mehr positive Konsequenzen nach sich (im Sinne von lessons learned und einer besseren Abstimmung der Teammitglieder in ihren Handlungen aufeinander), wenn jedes Teammitglied sich damit auch für sich alleine auseinandersetzt und selbstständig Ideen generiert. Ich denke das hat zudem den Vorteil, dass sich jede/r den passenden Zeitpunkt dazu selbst wählen kann und selbst bestimmen kann, welche Erfahrungen besonders wichtig für ihn/sie sind, um noch einmal genauer darüber zu reflektieren. Das bedeutet natürlich dennoch, dass man sich die Zeit dafür nehmen (können) muss.

    Der darauf folgende nächste Schritt wäre aus meiner Sicht, dass diese individuell generierten Ideen und lessons learned auch noch einmal in gemeinsame Gespräche im Team eingebracht und dort diskutiert werden können. Das ist die Idee der „Team Reflexivität“ – je höher die Reflexivität im Team ist, desto regelmäßiger und offener wird über gemeinsame Erfahrungen gesprochen – und die Forschungsergebnisse zu den Effekten auf die nachfolgende Teamleistung legen nahe, dass sich dieser zeitliche Aufwand lohnt.

    Antwort
  • 11. Februar 2011 um 14:15
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    Das Reflexion häufig unter den Tisch fällt, sieht man mE gut an der Zeitplanung. Wenn für ein neues Projekt die Zeit geplant wird, schauen die wenigsten Personen/Gruppen auf Erfahrungen mit früheren Projekten zurück und lernen aus der damals ebenfalls zu knapp kalkulierten Zeitplanung.

    Hmm, und eine Frage dazu: Wer plant bei der Finanzierung eines Projektes schon Zeit ein und gibt freiwillig Gelder aus, die dem konkreten Projekt nicht zu Gute kommen sondern von denen das nächste Projekt profitiert? Für eine externe Firma, mit der ich nur ein Mal zusammen arbeite, würde ich das nicht ausgeben wollen (was habe ich davon, dass sie es das nächste Mal — evtl. bei der direkten Konkurrenz — besser machen?). Und innerhalb einer Organisation wäre ich mir unsicher, in wie weit man solche Gelder direkt auf das Projekt buchen kann oder ob dies nicht durch ein eher allgemeiner gehaltenes Budget gedeckt werden muss. Letztendlich ist es ja die Organisation selbst, die etwas davon hat, dass die Mitarbeiter durch Reflexion aus Erfahrungen lernen und besser werden.

    Hmm, gibt es Untersuchungen bezüglich der Häufigkeit von Reflexion nach Projektende in Organisationen mit stark wechselnden Teammitgliedern und Organisationen mit Teams, die sich nicht verändern? Insbesondere wie man den Teammitgliedern etwas mitgeben kann, auch wenn sie das nächste Mal nicht nur einen völlig neuen Auftrag haben, sondern auch ein völlig neues Team?

    Antwort
  • 12. Februar 2011 um 0:08
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    Ich verstehe die Idee von Reflexion im Zusammenhang mit Teamarbeit vor allem so, dass Reflexion vorwiegend arbeitsbegleitend stattfindet. Das heißt Teammitglieder reflektieren nicht unbedingt (nur) nach Abschluss einer gemeinsamen Aufgabe oder eines Projektes zu einem festgesetzten Zeitpunkt, sondern vor allem während sie gemeinsam Aufgaben bearbeiten, um die Zusammenarbeit dabei fortwährend zu verbessern. Nach den Forschungsergebnissen dazu sollte der vergleichsweise geringe zeitliche Aufwand von Reflexion durch die Verbesserungen, die sich daraus ergeben (wie z.B. eine Verringerung von Missverständnissen oder Koordinationsproblemen, die gleichfalls Zeit kosten und Unzufriedenheit im Team hervorrufen können), ausgeglichen werden.

    Natürlich ist es ebenso möglich, dass Teams nach Abschluss eines Projektes gemeinsam zusammen tragen, was in der Zusammenarbeit gut gelaufen ist und wo sie Verbesserungspotential sehen. Das kommt, wie du sagtest, sicher der eigenen Organisation zugute, sofern die sich daraus ergebenden Ideen umgesetzt werden; es kann aber ebenso im Interesse von externen Auftraggebern oder Kooperationspartnern sein, die häufiger mit der Organisation zusammen arbeiten und demnach an einer Verbesserung der Prozesse mit interessiert sind. Inwiefern dafür zum Abschluss von Projekten eine finanzielle Förderung vorgesehen ist, ist sicher verschieden, da stimme ich dir zu.

    Bleibt die Frage, wie sich Reflexion unterstützen lässt, die m.E. auch durch die bisherige Forschung nur teilweise beantwortet wird. Das Thema würde sich demnach vielleicht für unseren nächsten Blitz zu Reflexion anbieten :).

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