Pokémon Go oder „Die Generation Y dreht völlig durch“

Haben Sie die Scharen von jungen Menschen gesehen, die seit gestern durch die deutschen Städte laufen und auf ihr Smartphone starren, sich an öffentlichen Plätzen versammeln und sämtliche Sehenswürdigkeiten der Stadt suchen?

Nicht dass uns diese „Smombies“ (Smartphone-Zombies) neu wären, allerdings hat der Virus dank Pokemon Go ein völlig neues Ausmaß erreicht. Die neue kostenlose Handy-App, die es in den USA bereits seit einer Woche gibt und gestern endlich für Deutschland freigeschaltet wurde, ermöglicht es in einer Augmented Reality Pokemons zu fangen. Die App zeigt auf dem Smartphone (GPS und Internetverbindung müssen aktiviert sein) eine Karte der Umgebung an in der man sich gerade tatsächlich befindet. Auf der Karte sieht man sämtliche Straßen der Umgebung, sowie die Sehenswürdigkeiten oder wichtigen Punkte. Allerdings macht die App aus den Sehenswürdigkeiten sogenannte Pokestops oder Arenen. Wenn man dann mit seinem Smartphone zu einem solchen Pokestop geht, kann man dort Pokebälle oder Eier sammeln. Die Pokebälle braucht man wiederrum um Pokemons zu fangen. Wenn ein Pokemon in der Nähe ist, schaltet sich die Handykamera ein, man sieht das Pokemon in der realen Welt und kann es fangen.

Gestern habe ich also dann endlich Pokemon Go auf meinem Handy installiert. Ich warte schon seit Jahren darauf, dass Augmented Reality in unser Leben einzieht und endlich ist es soweit! Durch die Handykamera sehe ich nun, was sich in unserer Welt eigentlich so alles tummelt. Es tut sich eine komplette Parallelwelt aus Pokestops, Arenen und kleinen Viechern auf, die wir vorher nicht sehen konnten. Alleine in meinem Wohnzimmer habe ich mindestens 8 Pokemons gefangen und in meinem Arbeitszimmer heute schon drei.

Worüber ich aber eigentlich berichten wollte, weil es mich so fasziniert, ist die Tatsache, dass ich gestern abend meine Stadt (Worms) völlig neu entdeckt habe. Ich dachte eigentlich, dass ich die Sehenswürdigkeiten der Stadt kennen würde, aber Pokemon Go hat mich eines besseren belehrt. Worms hat eigentlich an jeder Ecke Sehenswürdigkeiten zu bieten, die mit Pokespots markiert sind. In der Pokemon Go App kann ich mir dann ansehen, was das für eine Statue vor mir ist und was sich noch in der Nähe befindet. So habe ich auf meiner Jagd nach Taubsi, Pikachu (Pokemons) und Co. entdeckt, dass Worms einen Stadtplan für Blinde hat, eine Miniaturversion des Doms, eine Sternzeichenuhr. Alles Dinge, an denen ich fast täglich vorbeilaufen und mich einfach noch nie damit beschäftigt habe.

Ich habe gestern durch Pokemon Go innerhalb von zwei Stunden so viele Infos über Worms gesammelt, wie vorher noch nie. Und ich habe auch innerhalb kürzester Zeit so viele Menschen wie noch nie kennengelernt. An allen Pokestops traf ich auf Gleichgesinnte und immer mal wieder zündete jemand ein Lockmittel. Die Lockmittel sollen eigentlich Pokemon anlocken, damit man sie fangen kann. Was allerdings zusätzlich passiert: das Lockmittel lockt Menschen an. Alle, die gerade auf Pokemon Jagd sind, kommen zum Lockmittel, um Pokemons zu fangen. Und so habe ich mich gestern mit so vielen Wormsern wie noch nie unterhalten. Zugegeben, ich habe den Altersdurchschnitt etwas erhöht, aber nur leicht…

Also wer seine Umgebung und seine Mitmenschen neu kennenlernen will, dem kann ich Pokemon Go nur empfehlen. Es eröffnet sich eine völlig neue Welt.

TaubsiLutherdenkmal

Taubsi vor dem Luther-Denkmal

Und an alle Führungskräfte und Arbeitgeber da draußen: Seien Sie nachsichtig mit Ihren Pokemon-infizierten Mitarbeitern. Pokemon Go ist meiner Meinung nach ein Meilenstein der Digitalisierung und die Generation Y muss da natürlich live dabei sein.

Wenn Sie Ihre Mitarbeiter der Generation Y (und alle anderen Pokemon-Infizierten) also bei der Arbeit halten wollen, dann sollten Sie sich überlegen ein Firmenevent mit Pokemon Go zu planen oder den kommenden Betriebsausflug zur Pokemon-Jagd umzufunktionieren. Und erlauben Sie Ihren Mitarbeitern in den nächsten Tag die Handynutzung im Dienst. Sie werden es Ihnen danken, denn Pokemon Go ist gerade eine absolute Ausnahmesituation und wir werden uns erst an den Umgang damit gewöhnen müssen.

Augmented Reality hat den Sprung in unser Leben geschafft und ich bin gespannt wie es weitergeht. Jetzt muss ich jedenfalls dringend los zum nächsten Pokestop. Fröhliche Pokemon-Jagd wünsche ich allen Infizierten. Und allen Chefs wünsche ich in den nächsten Tagen gute Nerven!

 

2 Gedanken zu „Pokémon Go oder „Die Generation Y dreht völlig durch“

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