„Teilen“ online: Die positive Wirkung von Statusmeldungen

Die meisten Onlineplattformen – sei es Facebook, Google+, MySpace oder Twitter – unterstützen kurze Statusmitteilungen: Darüber können wir Freunde, KollegInnen und andere soziale Kontakte auf einfache, schnelle Art und Weise über neues Wissen, heutige Erfahrungen sowie Erfolge und Misserfolge auf dem Laufenden halten. Wie genau aber wirkt sich dieses „Teilen“ auf unser Befinden aus: Fühlen wir uns besser, wenn wir eine solche Statusmitteilung verfasst haben? Was passiert, wenn wider Erwarten niemand auf unsere Meldung reagiert? Und sind diese Mitteilungen nicht deutlich unpersönlicher als ein „reales“ Gespräch?

Eine aktuelle Studie von Große Deters und Mehl ging der Frage nach, wie das Posten von Statusmitteilungen die empfundene Verbundenheit mit anderen und das  Einsamkeitsempfinden beeinflusst. Die Teilnehmer wurden konkret aufgefordert, bei Facebook in der folgenden Woche mehr Statusmeldungen als bisher online zu stellen; eine Vergleichsgruppe behielt ihr reguläres Level an Statusmeldungen bei. Die Ergebnisse sprechen tatsächlich für den Nutzen von vermehrten Postings: Die Teilnehmer, die mehr Mitteilungen als zuvor online stellten, fühlten sich stärker mit anderen verbunden und empfanden weniger Einsamkeit als die Vergleichsgruppe. Kurz gesagt also: Die Statusmitteilungen hatten eine positive Wirkung auf die VerfasserInnen.

Interessanterweise zeigte sich diese positive Wirkung unabhängig davon, ob die Statusmeldungen auf Reaktionen stießen oder nicht – also unabhängig von der Anzahl der „Likes“. Das „bloße Teilen“ scheint also auszureichen, damit wir uns stärker mit anderen verbunden und weniger einsam fühlen. Die Autoren vermuteten hier, dass das Posten von Statusmeldungen ähnlich positiv wirken könnte, wie z.B. alte E-Mails durchzulesen oder sich Fotos von früher anzuschauen: Sie machen uns unsere sozialen Kontakte bewusst und dadurch fühlen wir uns stärker sozial verbunden. Vielleicht ermöglichen die regelmäßigen Statusmeldungen es uns aber auch, andere vorab schon über die wichtigsten Dinge zu informieren, die dann in einem anschließenden „echten“ Treffen (d.h. face-to-face statt virtuell) genauer besprochen werden können – mit anderen Worten: Durch Statusmitteilungen können wir vielleicht den üblichen Small Talk zu Beginn eines Gesprächs zum Thema „Was gibt es Neues bei dir?“ umgehen und uns gleich den wichtigsten Themen zuwenden.

Was können wir daraus mitnehmen?
Regelmäßige Statusmeldungen können also möglicherweise ein Gefühl von Verbundenheit mit anderen fördern – das ist gerade in der heutigen Zeit sehr hilfreich und leicht umsetzbar, in der „reale“ Treffen aufgrund der vollen Terminkalender oder räumlich stark verteilten Kontakte oft mit großem Aufwand verbunden sind. Mit regelmäßigen Statusmeldungen können wir außerdem Informationen genau dann (mit)teilen, wenn uns gerade danach ist – d.h. selbst dann, wenn persönlich vielleicht gerade niemand erreichbar ist. Und dennoch: Es gibt sicher auch solche Informationen und Erlebnisse, die sich nicht in drei Sätzen posten lassen bzw. die wir lieber persönlich besprechen. Eine sinnvolle Kombination von Informations- und Erfahrungsaustausch sowohl on– als auch offline könnte hier der Schlüssel sein.

Der Artikel zur Studie:
große Deters, F., & Mehl, M. R. (2013). Does Posting Facebook Status Updates Increase or Decrease Loneliness? An Online Social Networking Experiment. Social Psychological and Personality Science , 4, 579-586.

Bildnachweis: https://pixabay.com/de/social-media-netzwerk-medien-54535/

Annika Scholl

Annika Scholl forscht am Leibniz-Institut für Wissensmedien und hält Lehrveranstaltungen an den Universitäten in Tübingen und Konstanz. Als Sozial- und Organisationspsychologin publiziert sie regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Branchenmagazinen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über die Themen Macht und Führung, organisationales Lernen, Reflexion als Lernprozess und den Wissenaustausch in Arbeitsteams.

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Annika Scholl

Annika Scholl forscht am Leibniz-Institut für Wissensmedien und hält Lehrveranstaltungen an den Universitäten in Tübingen und Konstanz. Als Sozial- und Organisationspsychologin publiziert sie regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Branchenmagazinen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über die Themen Macht und Führung, organisationales Lernen, Reflexion als Lernprozess und den Wissenaustausch in Arbeitsteams.

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