Einmal der Beste, immer der Beste? – Nebenwirkungen von Wettbewerb.

Dem Ziel besser zu sein als andere wird eine leistungssteigernde Wirkung zu geordnet. Solch ein Wettbewerb zwischen Mitarbeitenden ist deshalb in Organisationen allgegenwärtig. Wie sich Wettbewerb auf Wissensaustausch auswirkt, wird dabei jedoch kaum beachtet.

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Unsere KollegInnen sind ein wichtiger Vergleichspunkt für die eigenen Leistungen. Mitunter hängt sogar die eigene Bezahlung (z.B. in Form von Prämien) von diesem Vergleich ab. Somit stehen Mitarbeitende häufig im Wettbewerb miteinander. Gleichzeitig sind andere Mitarbeitende aber auch Quellen wertvoller oder gar notwendiger Informationen, ohne die eine herausragende Leistung unmöglich ist. Dann hängt die individuelle Leistung eines jeden Mitarbeitenden vom Wissensaustausch untereinander ab. Es stellt sich also die Frage, in wie weit unterschiedliche Arten von Zielen hinsichtlich der eigenen Leistung den Austausch mit KollegInnen beeinflussen.

Zwei Arten von Leistungszielen

Es lassen sich vor allem zwei Leistungsziele unterscheiden: Das Ziel, die eigene Arbeitsleistung im Vergleich zu vorherigen eigenen Leistungen zu verbessern, wird Lernziel genannt. Das Ziel, im Vergleich zu anderen besser abzuschneiden, wird Wettbewerbsziel genannt. Beide Ziele wirken sich jedoch nicht nur auf die eigene Leistung aus, sondern auch darauf, wie Menschen ihr soziales Umfeld wahrnehmen, in dem sie ihre Arbeitsleistung erbringen.

Lernziele: Sich selbst über die Zeit verbessern

Verfolgt eine Mitarbeiterin das Ziel, ihre eigene Leistung zu verbessern, vergleicht sie sich mit der eigenen früheren Leistung. Sie selbst ist damit der Referenzpunkt für ihre Leistungsbeurteilung (d.h. der Vergleichsstandard). Da andere Mitarbeitende dazu beitragen können, die eigene Leistung zu verbessern, nehmen Mitarbeitende mit Lernziel eine positive Interdependenz mit anderen wahr: das heißt sie glauben gegenseitig voneinander profitieren zu können. Folglich sind sie bereit, in den Austausch von Informationen mit potentiellen Austauschpartnern zu investieren. Verfolgt jemand ein Lernziel, ist er folglich stärker am gegenseitigen Austausch interessiert, d.h. er tauscht eher aufrichtige und unverfäl­schte Informationen aus, ist weniger argwöhnisch gegen­über Austauschpartnern und bietet anderen Unterstüt­zung an, wenn diese Hilfe benötigen. Dieses Austausch­verhalten wird besonders dann gezeigt, wenn der Austausch als zielführend für die Verbes­serung der Leistung erlebt wird.  In Felduntersuchungen konnte gezeigt werden, dass Lernziele zu einer höheren Qualität von Arbeitsbezie­hungen führen. Dies kann unter anderem erklären, warum Mitarbeitende mit Lernziel eine höhere Arbeitszufrie­denheit, bessere Arbeitsleis­tung und innovativere Ideen zeigen. Ebenso reagieren Mitarbeitende mit Lernziel auf Konflikte stärker erkenntnisorientiert, d.h. sie versuchen, verschiedene Perspektiven zu verstehen und können so besser aus Konflikten lernen.

Wettbewerbsziele: Besser sein als andere

Verfolgt eine Mitarbeiterin das Ziel, besser zu sein als andere, geht es ihr darum, andere zu übertrumpfen. Andere Mitarbeitende sind dann Referenzpunkte. Folglich nimmt sie sich als negativ interdependent in der Erreichung ihres Ziels wahr. Demnach ist sie kaum bereit, sich mit anderen Personen zu koordinieren und vermeidet Abhängigkei­ten von ihnen.

Lernziel

  • Austausch
  • Gegenseitigkeit
  • Erkenntnisorientierung

Wettbewerbsziel

  • Konkurrenz
  • Einseitigkeit
  • Rechthaberei

Verfolgt jemand ein Wettbewerbsziel, steht gar eine ausnutzende Orientierung im Vordergrund. Das heißt man versucht, von Informationen oder Unterstützung anderer zu profitieren, ohne dabei selbst viel zu investieren oder diese im Gegenzug zu unterstützen. Folglich sind Mitarbeitende mit Wettbewerbsziel eher argwöhnisch gegenüber ihren Austauschpartnern und versuchen in Konfliktsituationen eher, andere von der Richtigkeit der eigenen Meinung zu überzeugen, anstatt durch die Perspektive anderer neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Fazit

Lernziele fördern den Austausch von Wissen und eine erkenntnisorientierte Auseinandersetzung mit konflikthaften Situationen, während Wettbewerbsziele den Wissensaustausch behindern. Beide Ziele können von Mitarbeitenden selbst gesetzt, aber auch vom Arbeits-umfeld gefördert werden.

 

Literaturnachweis: Poortvliet, P. M., & Darnon, C.(2010). Towards a more social understanding of achievement goals: The interpersonal effects of mastery and performance goals. Current Directions in Psychological Science, 19(5),324-328.

Zitieren als: Wodzicki, K. (2011). Einmal der Beste, immer der Beste? – Nebenwirkungen von Wettbewerb. wissens.blitz (47). http://www.wissensdialoge.de/leistungsziele

Katrin Wodzicki

Momentan leitet sie den Bereich Personalentwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie studierte Psychologie an der Universität Jena und promovierte an der Universität Zürich. Anschließend forschte sie zu psychologischen und motivationalen Aspekten der computer-vermittelten Kommunikation und Kooperation am Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über Social Media, Teaminteraktion und Arbeitsorganisation.

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Katrin Wodzicki

Momentan leitet sie den Bereich Personalentwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie studierte Psychologie an der Universität Jena und promovierte an der Universität Zürich. Anschließend forschte sie zu psychologischen und motivationalen Aspekten der computer-vermittelten Kommunikation und Kooperation am Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über Social Media, Teaminteraktion und Arbeitsorganisation.

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