Motiviert durch Erfolg und Misserfolg

Häufig sind es die Erfolge, die uns motivieren, uns bei einer Aufgabe weiter zu engagieren. Doch auch Misserfolge können eine motivierende Wirkung haben. Dieser Blitz erklärt, warum dies so ist und zeigt Möglichkeiten auf, wie Sie diese Wirkung nutzen können.

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Um ein Ziel zu erreichen, ist zumeist ein gewisses Maß an Anstrengung erforderlich. Doch was motiviert uns dazu, auf dem Weg zu einem Ziel nicht aufzu­geben und uns weiter zu engagieren? Forscher gehen davon aus, dass zum einen Erfolge und Situatio­nen, in denen (Teil-) Ziele erreicht wurden, das Potential bieten, uns für darauf folgende Aufgaben weiter zu motivieren – dies können z.B. der Abschluss einer Aufgabe oder eine Ideen bringende Diskussion sein. Aber auch Misserfolge und Situationen, in denen ein Ziel noch nicht erreicht wurde (z.B. eine unge­lös­te Aufgabe, ein unzufriedener Kunde) können eine motivierende Wirkung haben.

Die Wirkung von Erfolg & bereits erreichten Zielen

Erfolge machen uns bewusst, was wir bereits geschafft haben. Sie können dazu beitragen, dass wir anschlie­ßend zuversicht­licher und mit gesteigertem Engage­ment an Aufgaben herantreten, indem sie:

Die Wirkung von Misserfolg & noch unerreichten Zielen

Auch Misser­folge und Ziele, die noch nicht erreicht wurden, können motivierende Effekte haben, denn sie:

  • die Stimmung erhöhen, d.h. wir fühlen uns gut, ein Ziel erreicht zu haben
  • das Gefühl vermitteln, dass unser Handeln effektiv ist
  • und so sowohl unser Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten als auch unsere Erwartungen erhöhen, auch in Zukunft erfolgreich sein zu können

Die motivierende Wirkung nutzen

Die motivierende Wirkung von (Miss-) Erfolgen kann man auf verschiedenen Wegen nutzen. Wichtig ist es dabei, sich sowohl der positiven Auswirkungen als auch der möglichen Einschränkungen bewusst zu sein.

  • signalisieren, dass ein gewünschtes Ziel noch nicht erreicht und weitere Anstrengung notwendig ist
  • lösen so ein gewisses Maß an Unzufrieden­heit aus und
  • steigern damit die Bereitschaft, weitere Energie in ein Ziel zu investieren und bei Veränderungen mitzuwir­ken – vor allem dann, wenn das Ziel uns wichtig ist

(1) „Ausruhen“ nach und auf Erfolgen

Wenn ein Ziel erreicht wurde (z.B. ein Projekt abge­schlossen ist), können wir als Konse­quenz darauf zumeist unsere Anstrengungen für dieses Ziel redu­zieren und die Situation dazu nutzen, wieder Energie für neue Aufgaben zu sammeln. Indem Sie sich Erfolge am Arbeits­platz oder auch in der Freizeit bewusst machen, können die eigenen Ressour­cen wie­der aufge­füllt und das Befin­den gesteigert werden. Folglich kön­nen Sie Ihre Aufgaben anschlie­­ßend wieder mit mehr Leis­tungsbe­reit­­schaft und Engagement angehen.

Allerdings bedeuten Erfolge nicht immer, dass ein Ziel bereits vollständig erreicht ist und die Anstren­gungen für dieses Ziel tatsächlich vermindert werden können. Sie bieten demnach auch die „Gefahr“, dass man sich nach einem Erfolgserlebnis anderen Aufgaben zuwen­det, auch wenn ein Ziel eigentlich weiterer Anstrengung bedarf (z.B. Teile eines Produkts noch einmal über­ar­beitet werden müssen).

(2) Möglichkeiten bei Misserfolg bewusst machen

Eine Auseinandersetzung mit den eigenen Mög­lichkeiten, Misserfol­ge zu bewältigen, kann dabei helfen, Lösungen für Probleme zu finden und umzu­set­zen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn Misserfolge auf beeinflussbare Aspekte einer Situation und nicht als Zeichen für mangeln­de eigene Fähig­keiten gewertet werden, da dies die Motiva­tion hemmen und lediglich Gefühle von Unzufriedenheit verstärken kann. Somit kann die be­wusste Auseinandersetzung mit unerreich­­ten Zielen Sie auch dabei unter­stützen, beste­hende Schwierigkei­ten auf dem Weg zu einem Ziel zu akzep­tieren und dement­sprechend entweder die eigenen Ziele anzu­passen oder sich alternative Ziele zu suchen.

(3) Verfügbarkeit von Ressourcen prüfen

In manchen Fällen ist man dabei auch auf andere Personen angewiesen. Zum einen kann eine Rückmel­dung von anderen die eigene Sicht­wei­se auf den Fortschritt hinsicht­lich eines Ziels er­gänzen. Dadurch wird einem sowohl bewusst, was be­reits alles erreicht wurde, als auch welche neuen Mög­lichkeiten es zur Erreichung eines Ziels geben kann. Zum anderen können Sie in Gesprächen mit Kolleg­In­nen oder Vor­gesetzten die für das Erreichen eines Ziels nötigen Ressour­cen, wie z.B. Infor­matio­nen oder Unter­stützung durch andere, diskutieren und (im Rah­men der gegebenen Möglichkeiten) einfordern. Auch Sie selbst können Perso­nen in Ihrem Umfeld rückmel­den, wenn Sie einen Erfolg wahrnehmen oder den Eindruck haben, dass etwas gerade in eine unerwünschte Richtung verläuft. Fokus­sie­­ren Sie dabei jeweils auf die Aspekte, die tatsächlich verändert werden können.

Fazit: Erfolge und Misserfolge können unser zukünftiges Engagement steigern, mitunter dadurch, dass man sich diese bewusst macht und sich mit anderen darüber austauscht. Wichtig sind dabei u.a. die eigene Inter­pretation einer Situation und eine gewisse Balance zwi­schen Erfolg und Misserfolg.

 

 

Literaturhinweis:
Carver, C. S., & Scheier, M. F. (1998). On the Self-regulation of Behavior. New York: Cambridge University Press.
Binnewies, C. & Sonnentag, S. (2008). Recovery after work. Unwinding from daily job stress. In R. Burke & C. L. Cooper (Eds.), The long work hours culture: Causes, consequences and choices (pp.275-293). Bingley, UK: Emeral

Zitieren als: Scholl, A. (2011). Motiviert durch Erfolg und Misserfolg. wissens.blitz (17). http://www.wissensdialoge.de/erfolg-und-misserfolg

Annika Scholl

Annika Scholl forscht am Leibniz-Institut für Wissensmedien und hält Lehrveranstaltungen an den Universitäten in Tübingen und Konstanz. Als Sozial- und Organisationspsychologin publiziert sie regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Branchenmagazinen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über die Themen Macht und Führung, organisationales Lernen, Reflexion als Lernprozess und den Wissenaustausch in Arbeitsteams.

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Annika Scholl

Annika Scholl forscht am Leibniz-Institut für Wissensmedien und hält Lehrveranstaltungen an den Universitäten in Tübingen und Konstanz. Als Sozial- und Organisationspsychologin publiziert sie regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Branchenmagazinen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Auf wissensdialoge.de schreibt sie über die Themen Macht und Führung, organisationales Lernen, Reflexion als Lernprozess und den Wissenaustausch in Arbeitsteams.

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